„Mit dem Evangelisten Lukas auf dem Weg“
Christine und Friedrich Macher, Ladendorf

Nach Aufbereitung am Vorabend, (Samstag, 7.8.2004 im Bildungshaus Schloss Großrußbach) bei der neben organisatorischen Fragen, vor allem „Lukas als Evangelist des Alltags“ besprochen wurde, trat der Bus am
1. Tag (Sonntag, 8.8.2004) mit dem Tagesthema „Begegnung mit Gott, den Menschen, der Schöpfung“ die Fahrt ins Dekanat Sitzendorf an. Die erste Überraschung erlebten die Organisatoren bei der pünktlichen (7.00 Uhr) Abfahrt.

Der 80-sitzige Bus war zu klein und es musste ein PKW als „Ergänzungsdienst“ mitfahren. Um den Gastgeber der ersten Station Ravelsbach nicht zu überfallen, warteten wir am Ortseingang von 8.05 Uhr bis 8.15 Uhr. Unter großem Jubel der Ortsbevölkerung und der Honoratioren wurden wir mit einem Ständchen der Deutschmeister Jugendkapelle begrüßt.

Die Maria Himmelfahrts-Kirche, wiewohl von den heimischen Festrednern als „schlicht“ bezeichnet, stellte sich - wie beim Architekten Jakob Prandtauer nicht anders zu erwarten - als prunkvolle Barockkirche dar. Bürgermeister und stellvertretender PGR-Vorsitzender begrüßten und stellten vor.

Nach einem festlichen Sonntagsgottesdienst nahmen wir die erste Etappe in Angriff. Auf einem Promenadenweg ging’s nach Maissau. Der zuständige Herr Dechant stellte uns in besinnlichen - gleichzeitig auch launigen - Worten die St. Veit geweihte Kirche vor. Nach einer ersten Erfrischungspause im schönen Ambiente des Maissauer Schlosses gingen wir den anschließenden Kreuzweg. Dessen Besonderheit ist eine 15. Station, die das Auferstehungsgeheimnis ausdeutet.

Auf schönem Pfad („Gottfried von Einem-Weg“) ging’s weiter nach Oberdürnbach, wo auch die kulturhistorisch Interessierten auf ihre Rechnung kamen. Die Fresken im dortigen Kirchlein, nach einem Ausspruch Kardinal Königs „ein Schatz, der den Oberdürnbachern nicht geraubt werden könne“, und die infolge des fehlenden Rades als „unvollständig“ bezeichnete Katherinenstatue, hinterließen tiefe Eindrücke. Das sanfte Lächeln der Heiligen Katharina geleitete uns über Limberg und Birkenberg nach Straning, wo das späte Mittagessen vorbereitet war. Trotz guter Planung brachte die zwischenzeitlich auf 155 Pilger angewachsene Schar, das Gasthaus an den Rand seiner Leistungsfähigkeit.

In der in Renovierung befindlichen Kirche konnte man sich von der Opferbereitschaft der Pfarre (400 Katholiken sollen ein Bauvorhaben von einigen Hunderttausend Euro finanzieren) machen. Der schon fertige Hauptaltar, ließ erahnen, welches Prunkstück hier wieder hergestellt wird.Weiter ging’s über Krotenberg und Winkelfeld auf den Kirchenberg von Wartberg. Am Standort der nunmehrigen Leonhardi-Kirche befanden sich keltische Kultstätten, möglicherweise mit Wurzeln bis zurück in die Steinzeit.

Im Überblick der Pfarrgemeinderäte durfte die Anekdote, nach dem die Weinkeller näher zur Kirche liegen, als allfällige Wasserreserven, die erfolgreiche Bekämpfung eines Brandes nach Blitzeinschlag mit Wein, nicht fehlen. Nach dem zurückliegenden Marsch in der Nachmittagshitze tat die Labung sehr gut.

Über Klein Reinprechtsdorf ging’s auf der letzten Tagesetappe nach Röschitz. Am Ortseingang wurden wir von einer gut organisierten und sangesfrohen Abordnung empfangen. Der zweistimmig vorgetragene Wechselgesang, wie er auch bei der alljährlichen Fußwallfahrt nach Maria Dreieichen seit Jahrhunderten gesungen wird, hat alle tief berührt. Auch hier empfing uns eine frisch renovierte, spätbarocke bzw. neoklassizistische, prachtvolle Kirche. Möglich geworden durch die Opferbereitschaft und das Engagement einer kleinen Ortschaft. Die schön gestaltete Abendandacht wurde insbesondere durch den Jugendchor der Pfarre verschönt. Die anschließende Agape war weit entfernt von lediglich Brot und Wasser. Frisches Gebäck, köstliche Aufstriche und von den Frauen der Pfarre extra gebackene Leckereien, fanden großen Anklang. Bedauerlich nur, dass die Aktivisten die im Garten vorbereiteten Speisen und Getränke, wegen eines Platzregens, über-
raschend in den Pfarrsaal transferieren mussten.

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2. Tag (Montag, 9.8.2004)
Vom Schmidatal ins Pulkautal

77 Passagiere zählte der Bus, der um 7.30 Uhr aus Großrußbach nach Sitzendorf abfuhr, um dort um 8.25 Uhr einzutreffen. Die dem Heiligen Martin geweihte Kirche hatte erst kürzlich bei der Restaurierung einige historische Schätze wieder preisgegeben.

Der Schmida entlang waren wir nach 50 Minuten in Goggendorf eingetroffen. Der Herr Pfarrer und eine Schar Ministranten, die in ihrer konventionellen Adjustierung einen besonders adretten Eindruck machten, empfingen uns.
Obwohl die Kirche Maria Verkündigung gewidmet ist, nimmt sie sich vor allem auch wichtiger Phasen im Leben des Heiligen Arnold Janssen an.

Die Voraussetzungen für dessen ordensstifterisches Wirken, wurden im kleinen Weinviertler Flecken „Goggendorf“ mit der Verleihung des Heimatrechtes geschaffen. Die Verbindung zur Weltkirche war während dieser Andacht für uns alle spürbar.

Eine runde Stunde weiter, ließ die Peter und Pauls Kirche in Braunsdorf, trotzdem sie gerade renoviert wird, erahnen, wie sie sich danach wieder präsentieren wird.
Wie schon mehrmals in den ersten Tagen, wurde allseits großer Respekt vor den wenigen Mitgliedern dieser Pfarre, die einen derartigen Erhaltungsaufwand zu tragen haben, geäußert.

Exakt zur Mittagszeit trafen wir in der Kirche Maria Geburt zu Roseldorf ein. Zu den Klängen der Mittagsglocken fügte sich unser Ave Maria. Wir waren beeindruckt, wie harmonisch sich die erhaltenen Bauteile, Presbyterium und Turm mit einem neu errichteten, modernen Hauptschiff harmonisch verbinden.

Wohl organisiert und gastfreundlich wurde uns flink ein Pilgereintopf serviert.
89 Höhenmeter über Roseldorf liegt der Sandberg. Eine kursorische Einführung in die Geschichte der Kelten, hatte uns für den Besuch der Ausgrabungen, nahe der höchsten Stelle, vorbereitet. Interessante Ausführungen der Initiatoren ließen den Opfergraben einer keltischen – für damalige Begriffe „Großstadt“ – vorstellbar werden. Diese Erhebung stellt gleichzeitig den Übergang vom Schmidatal ins Pulkautal dar. Ein Dechant übergab die Obhut für unsere Pilgerschar an den nächsten.

Die erste Pfarre, die uns im Schmidatal empfing war Platt, mit der alten, dem Heiligen Ulrich geweihten, Wallfahrtskirche. Dieses Gotteshaus bietet interessante spätbarocke Kunstwerke, die beiden Hauptattraktionen, zwei Bilder von Troger, waren allerdings auf Ausstellung bzw. zur Restauration in Wien.

Nachdem wir die letzte Etappe nach Watzelsdorf um 18.00 Uhr beendigt hatten, erwartete uns eine, nach Aussage des Herrn Pfarrers und Dechants, „typisch josephinische Kirche“. Die Vesper war an das Motiv Kreuzerhöhung dieser Pfarrkirche ausgerichtet.
Nach der Agape, die uns in gastfreundlichster Weise von der KFB Watzelsdorf ausgerichtet worden war, ging’s für die meisten mit dem Bus zurück nach Großrußbach. Auch an diesem Tag gesellten sich zu den 77 aus Großrußbach Anreisenden, weitere 44 Tagespilger.

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3. Tag (Dienstag, 10.8.2004)
Dekanat Retz

77 Personen reisten um 7.00 Uhr von Großrußbach ab und trafen um 8.05 Uhr am Bründl bei Pulkau ein. 44 Ortsansässige erwarteten uns dort, sowie Herr Dechant und andere Geistliche aus der Umgebung. Die Laudes an diesem traditionellen und stimmungsvollen Marienwallfahrtsort, waren ein großartiger Auftakt dieses dritten Tages. Der etwa dreiviertelstündige Quellenweg bis nach Pulkau brachte landschaftlich interessante Eindrücke, selbst ein kleiner Katerakt war zu sehen.

Pulkau war ein weiterer Höhepunkt. Die Heiligenblutkirche hinterließ einen tiefen Eindruck. Der Herr Pfarrer äußerte sich glücklich über den wieder vollständigen Altar, nachdem auf einer internationalen Kunstauktion, längst verschollene Predella wiederentdeckt und um einen namhaften Betrag zurück erworben werden konnten.
In prächtigen Zustand präsentierte sich das historische Ensemble aus Pfarrhaus und nunmehrigem Europahaus. Bei diesem Haus der Begegnung wurden wir von einer ukrainischen Jugendgruppe mit einer Folkloreeinlage erfreut und überrascht. Als Kontrast dazu lernten wir mit St. Michael, der ältesten Kirche des Dekanats, eine romanische Wehrkirche kennen, deren architektonischer Hauptteil, ein romanischer Triumphbogen ist.

Die Wegführung an Leodagger vorbei, an der Flanke des Manhartsberges, brachte schöne landschaftliche Eindrücke. Trotz der vielen schattenspendenden Bäume, trieb sie dem Leitungsteam den Schweiß auf die Stirn, weil wir einen gewaltigen Verzug gegenüber dem Zeitplan zu gewärtigen hatten. Der Eintreffenszeitpunkt beim Schutzengel-Marterl, genau um die zwölfte Stunde, wurde zum Marienlob genutzt.

In Waitzendorf betrug unsere Verspätung bereits 40 Minuten. In der Kirche zur Heiligen Dreifaltigkeit ließen zwei prachtvolle, barocke Statuen den Glanz des ehemaligen Hauptaltars nur noch ahnen. Zusammen mit den Kindern aus Obermarkersdorf, die uns schon seit Pulkau begleitet hatten, stieg der Spitzenstand an Teilnehmern danach durch ortsansässige Pilger auf über 170 Teilnehmer an, von denen den Kalvarienberg in Retz noch 150 verlassen sollten.

Die angesprochenen Kinder erfreuten uns in der ursprünglich dem Heiligen Nikolaus geweihten Kirche von Obermarkersdorf. Wir konnten lernen, dass als zweiter Kirchenpatron der Heilige Urban gewählt wurde, der der Schutzheilige der Winzer ist. Wiewohl wir beim Ortsheurigen in Qualität und Organisationsablauf sehr gut verpflegt wurden, war es erforderlich in zwei Bustransferfahrten den Weg nach Retz zu überbrücken, um das Abendprogramm mit tschechischen Freunden nicht zu gefährden.

Neben den religiösen Eindrücken, des Kalvarienberges, bot sich auch ein informativer Ausblick über den Rest der Tagestour des dritten Tages und eine Vorschau auf den vierten.

Durch Weingärten und abgeerntete Getreidefelder ging es dann nach Oberretzbach. Die kleine Programmänderung hatte sich gelohnt. Nach einem Aufenthalt in der liebevoll restaurierten, heimeligen Kirche St. Margareten in Oberretzbach gelangten wir pünktlich um 18.00 Uhr beim „Heiligen Stein“ an, wo schon unsere Gäste aus Tschechien warteten.
Wir alle waren beeindruckt und berührt von dem zweisprachigen Gottesdienst in der milder gewordenen Abendsonne. Es war hochinteressant zu hören, dass diese Begegnungen bereits vor den Änderungen der politischen Verhältnisse in Tschechien gelebt worden waren. Ein köstliches Grillmenü beendete einen langen und eindrucksvollen Tag.

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4. Tag (Mittwoch, 11.8.2004)
Dekanat Retz

74 Pilger reisen von 7.00 Uhr bis 8.00 Uhr von Großrußbach nach Retz. Die Überquerung des Hauptplatzes mit Stadtturm und Graffittibauten gibt einen Vorgeschmack auf die strenge Kirche des Dominikanerklosters. Ein kenntnisreicher und engagierter Vortrag macht uns die lange Geschichte dieses Klosters verständlich. Der Gottesdienst zur Nachfeier des Patroziniums vom Heiligen Dominikus erhält eine besondere Note weil die Gäste des Caritas-Heimes mit uns feiern; sie werden uns dann auch während des ganzen Tages begleiten.

Wenige Minuten brauchen wir zu der dem Heiligen Stefan geweihten Stadtpfarrkirche. Pater Markus, ein Göttweiger Benediktiner, begrüßt uns. Unter anderem verweist er auf die freundschaftliche Auseinandersetzung mit Unternalb, welche Kirche die ältere wäre. Launig merkt er an, dass bei den vielen Jahrhunderten, um die es hier geht, die 50 Jahre Differenz, über die man sich nicht einigen kann, wohl kaum ins Gewicht fielen. Selbst die fundierte Darstellung der kunsthistorischen Entwicklung, versetzt uns nicht in die Lage, neben den barocken Kostbarkeiten, die angeblich für Experten sichtbaren, gotischen Elemente zu erkennen. Beim Verlassen der Kirche beeindruckt noch ein plastisch dargestelltes Heiliges Grab.

Vielfältige Kulturlandschaft durchschreiten wir auf dem etwa 40-minütigem Weg nach Unternalb. Man ist samt den Prozessionsfahnen ausgerückt, um uns einzuholen. Eine Beziehung zu seiner Stadtpfarrkirche stellt Pater Markus über den Kirchenpatron, den Heiligen Laurenzius her. Nach St. Stephan, dem Patron der Stadtpfarrkirche, ist dies der zweite Diakon der Urchristen.

Nach ergreifender Besichtigung der geschützten Werkstätten der Caritas, geht es, beschirmt von kilometerlangen Windschutzgürteln, weiter nach Pillersdorf.
In der preisgekrönten Kellergasse erwartet uns eine gastfreundliche Labung. Wir gelangen zu der dem Heiligen Wolfgang geweihten Weinbauernkirche mit einem der ganz wenigen Renaissancealtäre Niederösterreichs. Launig erzählt uns Herr Dechant eine jener „Schimmellegenden“, die vor allem in den dem Heiligen Wolfgang geweihten Kirchen gepflegt werden.

Nach kurzem Anstieg durch eine Heidelandschaft zum Kalvarienberg, geht es weiter nach Schrattenthal.

Wieder einmal ziehen uns die historischen Kunstschätze, dieser Landkirche, in ihren Bann. Die flandrische Madonna der sieben Schmerzen aus dem Ende des 14. Jahrhunderts wurde beidseitig bemalt um sie von unterschiedlichen Standorten betrachten zu können. Das winzige – zweitkleinste Städtchen Niederösterreichs – lässt seine geistige Bedeutung im auslaufenden Mittelalter erahnen.

An einem einfachen Haus kann man der dort angebrachten Tafel entnehmen, dass hier das erste Buch Niederösterreichs gedruckt wurde. Der „Größe“ dieses Städtchens entsprechend verfügt auch das Hubertus Wirtshaus nur über beschränkte Kapazität. Trotz dieser werden wir rasch gastfreundlich und in guter Qualität gespeist.
Nach Passieren eines mittelalterlichen Vorbaus entfaltet sich eine beachtliche Schloßanlage, die uns zu einer spätgotischen Wehrkirche in nahezu unverändertem Zustand, St. Martin geweiht, weist.

Weiter geht es, durch vorwiegend von Weingärten geprägte Landschaft, nach Dietmannsdorf, dessen spätgotisches Kirchlein von ihrem Eigentümer, der Gemeinde Zellerndorf, schlicht, aber würdig restauriert wurde.

Wie so oft wird die nächste von uns besuchte Dreifaltigkeitskirche in Deinzendorf von unseren Gastgebern als typisch „josephinische Pfarre“ geschildert. Die Berichte über den Ideenreichtum, mit dem Rohmaterial und Ausstattung dieser Kirche „zusammengetragen“ wurde, wirken aus heutiger Sicht eigenartig, stellen sich aber im Lichte der damaligen Verhältnisse verständlicher dar.

Entlang von teilweise durch die Pulkau-versumpften Flächen, bewegen wir uns weiter nach Zellerndorf. Ein Teil der Gruppe bevorzugt den kürzesten Weg dorthin, während Herr Dechant es sich nicht nehmen lässt dem größeren Teil der Gruppe „sein“ Pfarrverbandskreuz am 296 m hohen Altenberg zu zeigen und dessen Geschichte vorzutragen. Von dort oben hat man einen wunderschönen Überblick über alle Orte, die dem Pfarrverband angehören. Die dem Heiligen Phillipus und Jacobus geweihte Zellerndorfer Pfarrkirche zeigt sich als Werk der Hochgotik, das ihren romanischen Ursprung deutlich sichtbar erhalten hat. Leider lässt der Zeitverzug nicht mehr zu, den später dazugebauten Karner genauer zu besichtigen.

Ein engagiertes Team um Herrn Dechant Mantler verwöhnt uns im barocken Pfarrhof zu Zellerndorf mit Wurstfleckerln samt Salzgurken und herrlich trockenen weißen und roten Landweinen (Angeblich wurde sogar Schnaps verabreicht).
Unser vierter Tag war bei gelegentlichem Zeitdruck ereignisreich und präsentierte uns Gotteshäuser, historische Bauten, Menschen und eine Landschaft von ungewöhnlichem Reiz.
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5. Tag (Donnerstag, 12.8.2004)

77 Wochen- und Tagespilger verließen pünktlich um 7.30 Uhr Großrußbach, um das kleine Dekanat Haugsdorf entlang der Pulkau im Pulkautal kennenzulernen. Nachdem wir um 8.25 Uhr in Pfaffendorf eingetroffen waren, verdoppelte sich unsere Schar nahezu auf 140 Pilger. Die dem Heiligen Georg geweihte Pfarrkirche präsentierte sich neu renoviert und – für die Kleinheit der Pfarre überraschend – mit kunsthistorischen Kostbarkeiten, wie Werken des Kremser Schmidt. Der Pfarrer, Pater Martin, ein Göttweiger Benediktiner, sollte uns noch durch zwei weitere Kirchen begleiten.

Ein Sträßchen, parallel zur nahen Pulkau, brachte uns zur Radegundiskapelle nach Peigarten. Der nunmehr asphaltierte Hohlweg, der dort hinführte, war in eine liebevoll gepflegte Blumenpracht umgestaltet worden. Nachdem wir am Vortag des Radegundisfestes unseren Besuch abstatteten, schlug Pater Martin einen Bogen, von der aktuellen politischen Lage zum „Geiseldrama“ dieser Heiligen.

Wieder ein Stück der Pulkau talwärts folgend, erreichten wir Jetzelsdorf. Auch hier war – wie schon öfters in den letzten Tagen – die Pfarrgründung Ausfluß des Reformeifers von Josef II. Wir lernten eine – nach modernen, architektonischen Ideen – gestaltete Kirche kennen, die sich uns - insbesondere mit dem Gegensatz von hell und dunkel - als Gestaltungselemt präsentierte.

Der Generalrichtung weiter folgend erreichten wir die alte, dem Heiligen Peter und Paulus gewidmete Pfarrkirche in Haugsdorf. Die von außen etwas unansehnlich wirkende Kirche präsentiert sich in der Innenansicht als recht prunkvoll. Das Altarbild aus der Schule des Kremser Schmidt, stellt nicht die einzige kunsthistorische Kostbarkeit dar, sondern wird von etlichen hölzernen, gotischen Standbildern übertroffen.

Diesmal ein etwas größerer Abschnitt – talauswärts erreichen wir die Laurenziuskirche in Alberndorf, nochmals eine „josephinische Pfarre“. Die Renovierung war erst vor wenigen Tagen beendet worden. Der ideell wertvollste Ausrüstungsgegenstand ist jener Sessel, der – angefertigt von einem einheimischen Tischler – Papst Johannes Paul II. bei seinem ersten Wien-Besuch gedient hat. Das „Probesitzen“ eines unserer hohen geistlichen Herren, sorgte für Amusement.

Die vorletzte Etappe der Pulkau entlang, Untermarkersdorf, bringt uns an ein adrettes Kirchlein. Nachdem wir hier den pfarrlichen Verantwortungsbereich des Herrn Dechant erstmals betreten, schildert er uns die Sorgen, die sich über Jahrzehnte an der „toten Grenze“ in Abwanderung und schwieriger, wirtschaftlicher Situation für die dort lebenden Menschen, manifestierten.

In einem über 2 km langen Anmarsch durch die langen Straßendörfer Untermarkersdorf und Hadres, die ineinander übergehen, gelangen wir zur Pfarrkirche von Hadres, deren Patron der Heilige Michael ist. Moderne Elemente im Altarbereich fügen sich harmonisch in eine wunderschöne, alte Kirche ein, in der sich Elemente mehrerer Bauepochen stilvoll zusammenfügen.

Die Gastfreundschaft der Hadreser bescherte uns ein köstliches Mittagessen mit Grillhendln und Bratwürstln, zu denen frischer Landwein gereicht wurde. Einen krönenden Abschluß bildeten Pulkautaler Mehlspeisspezialitäten, die mit einer Freundlichkeit serviert wurden, die ihresgleichen sucht.

Je nach persönlicher Disposition beschwingte oder beeinträchtigte dieses üppige Mittagessen uns Pilger auf dem sonnendurchfluteten Kirchenfeld, durch das wir uns zur Statue von St. Helena hinbewegten. Dort kamen immerhin noch 115 Pilger zusammen, um den Bericht des Herrn Dechant über die in der josephinischen Zeit zerstörte frühere Kirche, anhören zu können.

Den Windschutzgürteln entlang erreichten wir die Presshäuser der Obritzer Kellerzeile. Etliche Thesen wurden formuliert, warum die Obritzer Männer wohl ihre Kellergasse in einer Entfernung von rund einer halben Gehstunde von zu Hause eingerichtet hätten. Die Erfrischungen und die eine oder andere Kostprobe heimischer Winzerkunst, ließen diese Spekulation jedoch rasch in sich zusammenfallen.

Über sich lang hinziehende Feldwege und dann durch die – in der immer noch heißen Nachmittagssonne – endlos anmutenden Straßen von Mailberg, erreichten wir das dortige Schloß der Malteser. Der wuchtige und außerordentlich schön erhaltene Gesamtzustand dieser mächtigen Burganlage beeindruckte. Die Schlosskirche, deren Patron der Heilige Johannes der Täufer ist, und die als Pfarrkirche inkorporiert ist, stand der Burg- und Schloßanlage in nichts nach. In vielen Details spürte man den Hauch einer bald jahrtausende alten Geschichte. Der Herr Dechant von Haugsdorf gestaltete eine einfühlsame Abendstatio, die das Tagesthema „um Vergebung bitten“ treffend ergänzte. Der Pfarrgemeinderat von Mailberg lud zu einer Agape. Die Entscheidung ob man den köstlichen Broten, dem hervorragenden Weiß- und Rotwein, oder den vortrefflichen Mehlspeisen den Vorzug geben sollte, fiel schwer.

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6. Tag (Freitag, 13.8.2004)

Um 8.20 Uhr bei der Kirche von Kammersdorf eintreffend wurden die üblichen 76 aus Großrußbach angereisten Wochenpilger durch Einheimische auf 116 erhöht. Die großzügige, dem Heiligen Bartholomäus geweihte Pfarrkirche, von der man heute nur mehr annehmen kann, dass es in 1850 dem Zug der Zeit entsprochen hatte, gewaltige Kirchen zu bauen, beeindruckt durch ihre Weite und Helligkeit. Herr Pfarrer berichtet von den Sorgen über die schrumpfende Bevölkerung, vor allem durch die noch lange nicht beendete Umstruktierung in der Agrarwirtschaft.

Durch die in ihrer Geschlossenheit und Dank der teilweise schön erhaltenen Weinviertler Bauten ansprechenden Flecken Dürnleis und Klein Weikersdorf und über Feld und Flur, sieht man schon von weitem die Stephanuskirche in Nappersdorf, die mit einigen dazugehörenden Baulichlichkeiten, die Kuppe eines Hügels belegt.
Eine Passauer Stiftung kurz nach der ersten Jahrtausendwende am Standort einer uralten Kultstätte stellt sie ein wahres „Schmuckstück“ dar. Kontrapunkt und zentraler Gravitationspunkt ist ein moderner Ambo.

Über das weite Kirchfeld geht es nach Oberstinkenbrunn, dessen junger Pfarrer, ein Göttweiger Pater, der gleichzeitig auch Pfarrer von Maria Roggendorf ist, stolz seine prächtig hergerichtete Kirche vorstellt, deren gotischen Kern man nur mehr erahnen kann. Über ein Sträßchen nach Schalladorf und dann entlang des Schalladorfer Grabens und die Mühlwegäcker geht es nach Wullersdorf, dessen beide gewaltige Kirchentürme von weitem sichtbar sind.

Diesmal ist der Pfarrer ein Melker Benediktiner. Pater Godhalm, den man von seiner Diktion und seinem Auftreten her auch für einen Künstler halten könnte. Er berichtet davon, dass als „Gesellenstück“ Jakob Prandtauer im Auftrag der Melker Benediktiner die frühere gotische Kirche auf „Barock“ umgebaut und umgestaltet habe.

Das eigentliche Wahrzeichen aber, die zwei mächtigen Türme seien nach einem Brand vom damaligen Wullersdorfer Bürgermeister und Baumeister erst im 19. Jahrhundert errichtet worden. Wenig Zeit bleibt ihm, auf die uralte Kultstätte und die Fluchtanlage, die sich zur Zeit unter dem Kirchenplatz ausbreitet, einzugehen.
Im Melke Hof gibt es auf Einladung des Pfarrgemeinderates ein wohlschmeckendes Mittagessen und auch der Trank kam nicht zu kurz.
Im ehemaligen Pferdestall des Pfarrhofes ist eine Benediktuskapelle eingerichtet worden. Das Altarbild, es zeigt das letzte Abendmahl, wurde von einem praktizierenden Moslem, einem Bosnier, der flüchten musste und sich in Wullersdorf angesiedelt hat, gemalt.

Entlang abgeernteter Felder geht es über das Nexenhoffeld nach Schöngrabern, wo wir um 17.15 Uhr eintreffen und durch Pfarrer Malinas und Ministranten empfangen werden. Nachdem Pfarrer Malinas birituell ist und somit christlich und orthodox feiern darf, prägt dies die sehr schöne Vesper.
Die Kirche ist mit Ikonen und Tüchern byzantinisch-orthodox hergerichtet und der Priester trägt ein orthodoxes Messgewand. Er salbt zum Abschluß alle Pilger mit Nardenöl nach dem Ostritus.
Nach der Agape im Veranstaltungsstadl folgt eine Kirchenbesichtigung von außen. Wir bekommen die „Steinerne Bibel“ auf der Apsis der Kirche erklärt, die, von Adam und Eva angefangen, den ewigen Kampf des Guten mit dem Bösen, zeigt. Umgekehrt gibt es in der schlichten, uralten romanischen Kirche zwar einen Barockturm, innen gibt es aber weder Bilder noch Seitenaltäre.

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7. Tag (Samstag, 14.8.2004)
Dekanat Hollabrunn

Diesmal geht’s von Großrußbach nach dem Südwesten und wir treffen um 7.45 Uhr in Göllersdorf ein. Die dem Heiligen Martin geweihte Pfarrkirche wurde von niemand geringerem, als Lukas von Hildebrand, barockisiert. Dies wurde durch Friedrich Karl Schönborn (einem Urahn unseres Herrn Kardinal) arrangiert, der gute Kontakte zu Prinz Eugen, dem Hauptauftraggeber dieses großen Barockbaumeisters, hatte. Friedrich von Schönborn kam aus Würzburg und hat den größten Teil der Einrichtung auch von dort her beschafft. Zwei etwas groß gewordene Seitenaltarbilder führten zum Bruch zwischen den Göllersdorfern und Lukas von Hildebrand. Rund 133 Pilger machen sich von Göllersdorf aus auf den Weg über mehrere unserer nächsten Stationen den Göllersbach entlang bergwärts.

Zunächst geht es entlang der Bahn und in Industriegelände nach Großstelzendorf, wo eines der beiden Jugendzentren unseres Vikariats betrieben wird. Nach einer Besichtigung und Labung geht’s über eine Promenade nach Breitenwaida, wo uns der stellvertretende Dechant von Hollabrunn Johannes Leuthner, samt Ministranten, Pfarrgemeinderat und einer - trotz ihrer Jugend - ausgezeichneten Volksmusikgruppe erwartet.


Er berichtet, dass die ursprüngliche Kirche am Göllersbach überflutet wurde und man dann daher vor etwa 200 Jahren die schlichte, neue Kirche errichtet hat. Der Herr Pfarrer umschreibt launig, dass die Kirche „Tag und Nacht offen sei“, weil ohnehin „nichts Wertvolles zum Stehlen da sei“. Wie gut das Gemeindeleben dennoch funktioniert zeigen eine Vielfalt liebevoller Gestaltungsdetails.

Durch Dietersdorf, einem für diese Gegend des Weinviertels typische Ortschaft, geht’s nach Sonnberg. In der kleinen, aber ungemein einladende Kirche, findet man im Altarraum noch einige gotische Elemente.
Auch für diese Pfarre ist der stellvertretende Dechant als Priester verantwortlich. Auch hier scheint es gelungen zu sein, ein Klima, gemeinsam mit dem Pfarrgemeinderat und anderen Aktivisten, zu schaffen, in dem viele gern mittun. So auch in der Vorbereitung unseres mittäglichen Pilgermahls.

Danach folgt der längste Teilabschnitt des siebenten Tages, nämlich der Weg nach Klein Maria Dreieichen. Zunächst über den Mühlberg, danach den Runzenbach überschreitend und im Hühnertal bis man die Hofstraße, die von Hollabrunn nach Klein Maria Dreieichen führt, um danach bald an diesem beliebten Wallfahrtsort zu landen.

Zunächst wird uns ausführlich die Geschichte und Entwicklung erklärt und auch in gut dokumentierter Form weitergegeben. Die jetzige Kapelle wurde vor etwa 200 Jahren errichtet, nachdem das Bildzeichen in den ursprünglichen 3 Eichen im Zuge des preussisch-österreichischen Krieges 1866 verbrannt war. Das Gnadenbild (vor Ort befindet sich eine gut gemachte Kopie – das Original befindet sich im Museum in Hollabrunn) stammt aus einer verbrannten Kirche. In dem schönen und weitläufigen Eichenhain lässt sich angenehm meditieren, ehe der abschließende Weg nach Hollabrunn in Angriff genommen wird.

Durch Pilgergruppen aus der Umgebung und andere Sonntagsausflügler waren die Teilnehmer auf weit über 200 angewachsen, von denen etwa 150 gemeinsam zur Pfarrkirche nach Hollabrunn weiterzogen.
Mitten durch den Wald zog sich zuerst ein schöner Feldweg, die Hofstraße, nach zwei Drittel des Weges kamen wir in eine endlos scheinende Kellergasse, die uns bald ins Zentrum von Hollabrunn - und damit zur Kirche - führte.
Wir alle waren sehr betroffen, als knapp vor dem Einzug in Prozession in die Pfarrkirche ein ohnehin kranker Mann verunfallte. Die Kirche präsentiert sich mächtig, hoch und daher mit einer wunderschönen Akustik, in der wir durch den Herrn Kaplan, unterstützt neben anderen, durch eine vortreffliche Sängerin und einen ausgezeichneten Organisten, eine stimmungsvolle Vesper feierten. Die Ubikation der Pfarre würde ich am liebsten als „Festsäle“ bezeichnen, so schön sind sie gestaltet. Diesem Charakter entsprechend war auch das Abendessen.

Mehr Bilder zum 7. Tag unter:
http://www.pilgerweg.cc/pilgerweg/articles/2004/08/14/a2555

   

8. und Schlußtag (Sonntag, 15.8.2004)

Als die 70 Wochenwallfahrer mit dem Bus aus Großrußbach kommend um 9.15 Uhr in Aspersdorf eintreffen, hat sich dort schon eine Schar von etwa 40 weiteren Pilgern versammelt. Nachdem der Herr Pater Augustiner Eremit (nach eigenen Worten), seinen Pfarrschäflein schon beigebracht hat, dass Ordensleute etwas ausgiebiger feiern, können wir erst um 9.40 Uhr in die prächtige, sehr schön gepflegte, dem Heiligen Georg geweihte Kirche.

Durch das Dorf Richtung Nordwesten geht’s zunächst einmal etwas mehr als eine Stunde zum Kloster Marienfeld.

Dies steht auf einer kleinen Anhöhe (dem Wimmerberg mit 260 m), die weißen Klostermauern haben daher schon kurz nach Aspersdorf durch das schüttere Wäldchen durchgeblinkt. Es war ein erhebender Anblick, während unseres Anmarsches, am Horizont andere Pilgergruppen, die sich der Sternwallfahrt angeschlossen haben, wahrzunehmen. Alle mit schönen Pilgerkreuzen, eine Gruppe mit einer Pilgerfahne.

Knapp über 300 Menschen fanden in der sonnendurchfluteten Klosterkapelle, die in einem schönen Kontrast von strahlend weißen Wänden und dunkelbrauner karger Einrichtung ihre besondere Stimmung entwickelte, Platz. Die Schwester Oberin der Zisterzienser wies, im Kontext zu unserer Pilgerintention, darauf hin, dass auch ihr Haus eine - mit seinen 20 Jahren - noch jüngere, aber beachtliche Kraftquelle darstelle.

Die Prozession nach Maria Roggendorf, nachdem sie sich in ihrer ganzen Länge auf dem übersichtlichen Gelände entfaltet hatte, hinterließ bei uns allen einen tiefen Eindruck.
Schon bald zeigte sich die Wallfahrtsbasilika in voller, imponierender Größe. Beim Ortseingang hallten uns die Glockenklänge entgegen. Beim Einzug in die Kirche war diese schon recht gut besetzt, dennoch passte die gesamte Pilgerschar hinein. Gezählte 16 Geistliche und Diakone zelebrierten einen eindrucksvollen Festgottesdienst, der wohl allen lange in Erinnerung bleiben wird. In seiner Predigt wies Herr Bischofsvikar Dr. Matthias Roch nochmals auf die wesentlichen Anliegen des Weinviertler Pilgerweges hin, und dass mit der nunmehr abgeschlossenen zweiten Region, ein beachtlicher Erfolg erzielt worden sei. In bewegenden Worten dankte er den Organisatoren, den Mitwirkenden, sowie allen Tages- und Wochenpilgern und wurde abschließend auch selbst herzlichst bedankt.

Mehr Bilder zum Abschluss finden Sie unter:
http://www.pilgerweg.cc/pilgerweg/articles/2004/08/15/a2556

Wir freuen uns über Ihren Eintrag ins Gästebuch (http://www.pilgerweg.cc/gaestebuch.php) – wie hat es Ihnen beim Pilgerweg 2004 gefallen?

 

 

Christine und Friedrich Macher
Ladendorf, 17.8.2004