Bericht vom Weinviertler Pilgerweg 2005

1. Tag: Dienstag, 9. August 2005

Über 250 Pilger haben sich eingefunden, als wir am Dienstag, um 7:45 Uhr von der Geistlichkeit des Dekanats mit Herrn Dechanten Stadtpfarrer Dr. Christoph Goldschmidt von Laa an der Spitze sowie Vertretern der Stadtgemeinde begrüßt werden. Die Sonne hat eben begonnen, sich gegen die morgendliche Bewölkung durchzusetzen und leuchtet den Stadtplatz sanft aus.

 Die volle Kirche beim Eröffnungsgottesdienst

 

 

 

 

 

 

Der feierliche Eröffnungsgottesdienst findet in der Stadtpfarrkirche St. Vitus statt. Diese ist eine der größten, noch erhaltenen - in Kreuzesform errichteten - spätromanischen Kirchen Niederösterreichs. In der Predigt weist unser Bischofsvikar Matthias Roch auf die Grundintention des Weinviertler Pilgerweges: Zeichen zu geben und Begegnungen zu ermöglichen, hin.

Nach einem halbstündigen Fußweg über abgeerntete Felder und durch eine Robinien Allee erwartet uns beim Hanfthaler Frauenbild eine Überraschung: die Ortskapelle von Hanfthal bringt uns ein flottes Ständchen. Vor der gut instand gehaltenen und geschmückten Kapelle wird Station gehalten.

Begleitet von den Klängen der Kapelle ziehen wir durch eine Kirschenallee nach Hanfthal weiter. Der schönen Pfarrkirche fehlt der ursprüngliche Hauptaltar. Dessen Reste, die dem Wurmstich zum Opfer gefallenen sind - vor allem Statuen, schmücken schön ästhetisch verteilt das gesamte Gotteshaus.

Vorbei an Brunnberg und über Oberfeld, Kernfeld und Mittelfeld verlassen wir langsam die Laaer Tiefebene und kommen zur Florian Kapelle in Kleinbaumgarten.

Nach kurzer Station geht es weiter in die 950 Jahre alte Pfarrkirche von Gaubitsch. Einstens vermutlich eine dreischiffige Basilika und Stammkirche von einem Dutzend Pfarren in der näheren und weiteren Umgebung. Die dem heiligen Stephanus geweihte Pfarrkirche wurde zu ihrem Jubiläum besonders schön restauriert.

Durch hügeliger werdendes Gelände kommen wir auf den „Sieben Berge Blick“, der neben Buschberg und Staatzer Klippe – fünf andere Anhöhen - einschließlich der schon auf tschechischem Gebiet liegenden - „Pöllauer Berge“ bietet.

In einer knappen Viertelstunde erreichen wir die Filialkirche Oberschoderlee, die dem Hl. Antonius (dem Einsiedler) geweiht ist. Von der Straße her verblüfft die Kirche durch Ihre Proportionen - man vermeint einen mächtigen Kirchturm, der alleine dasteht - zu sehen. Tatsächlich ist das Kirchlein unter vielen Opfern der Ortsansässigen wiederhergestellt worden und bietet sich in ihrem niedrigen, aber weiten Inneren als Besonderheit dar.

Über Starnberg und durch das Jetzental langen wir bei der wunderschönen Pfarrkirche in Stronsdorf an. Diese gotische, ehemalige Wehrkirche präsentiert sich mit prachtvoller Innenausstattung. Das Prunkstück ist aber die Orgel. Wir haben die Möglichkeit ihre Entstehungs- und Erweiterungsgeschichte kennen zu lernen und dürfen von kundiger Organistenhand bespielt erahnen, welche Möglichkeiten sie bietet.

Über herbstliche Stoppelfelder geht es nach Patzmannsdorf. Das engagiert vorbereitete und durchgeführte Abendlob lässt den ersten Tag schön ausklingen und auch das Abendessen wird gastfreundlich serviert.

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2. Tag: Mittwoch, 10. August 2005

Die heutige Tagesetappe starten wir in Wildendürnbach. Eine moderne - dem Hl. Petrus geweihte - in den 70-iger Jahren erbaute Kirche, empfängt uns. Die bunten Glasfenster hinter dem Altar geben dem Gotteshaus eine besondere Stimmung.

In kurzen 20 Minuten gelangen die knapp 200 Pilger/-innen über eine Promenade zur „Mariahilf Kirche“ in Neuruppersdorf. Sie hat im Vorjahr ihr hundertjähriges Bestandsjubiläum gefeiert. Ihr Altar ist aus dem Sarkophag des heiligen Clemens Maria Holzbauer geschaffen worden.

Entlang eines sanften Höhenrückens geht´s nun weiter nach Kirchstetten, wo uns mit der „Hl. Geist Kirche“ eines der ältesten Gebäude Niederösterreichs erwartet. Die Bauform des Kirchenschiffs ist romanisch, der Altarraum ist gotisch, der Altar selbst barock ausgeführt. Dank der niederösterreichischen Landesausstellung 1998 - im Schloss Kirchstetten - wurde auch die Kirche renoviert und mit ihren 900 Jahren steht sie nun wieder recht stattlich da.

Am Neudorfer Graben entlang sind wir in einer halben Stunde in Neudorf bei Staatz, wo uns wieder ein freundlicher Empfang bereitet wird. Die - dem heiligen Nikolaus geweihte - prachtvolle Barockkirche ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Als kulturhistorische Besonderheit gibt es eine spätgotische Pieta anzusehen. Auf dem Kirchvorplatz steht großzügige Labung für uns bereit.

Ein auf Grund von Mittagshitze und Sonneneinstrahlung strapaziöser Fußmarsch durch ein Gebiet dessen Eigenname „auf der Ebene“ alles über den Charakter aussagt, führt uns zur neuromanischen Propstei - Kirche von Staatz. Mit ihrer Erbauung wurde vor hundert Jahren, nach dem Einsturz der früheren barocken Kirche begonnen. Wenige Stücke dieser großen Vergangenheit finden sich auch heute noch - insbesondere der 600 Jahre alte Taufbrunnen - in der Seitenkapelle. Nach einem üppigen Mittagessen geht es über den - durch Initiative der Staatzer wieder gut instand gesetzten Kalvarienberg und den ehemaligen Standplatz der Pfarrkirche Ullendorf - die durch Erdverlagerungen einstürzte, kommen wir zu einem herrlichen Kellerplatz, wo die Ullendorfer Pfarrgemeinderäte eine hochwillkommene Kaffeejause verabreichen. Die „neue“ Pfarrkirche besticht durch den wunderschön gepflegten Kirchenberg und ihr properes Äußeres. Die liebevoll zusammengestellte Innenausstattung findet ihre Besonderheit im Altarbild. Es stellt die Hl. Kunigunde dar und konnte aus der alten Kirche gerettet werden.

Vorbei am „Franzosenkreuz“ gelangen wir durch ein kurzes Waldstück nach Loosdorf, wo uns schon von weitem die Glocken begrüßen. Für die überraschend prunkvolle Ausstattung der Pfarrkirche - einer wenige hundert Seelen zählenden Gemeinde - gibt es eine Erklärung. Es handelt sich um die frühere Schlosskapelle, die von der Familie Piati vor drei Jahren der Pfarrgemeinde übereignet worden ist. Ein stimmungsvolles Abendlob beschließt den spirituellen Teil unserer Pilgerreise und im Feuerwehrhaus wird noch köstlich und überreichlich für unser leibliches Wohl gesorgt.

Mehr Bilder vom 2. Tag gibt es online unter:

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3. Tag: Donnerstag, 11. August 2005

Heute steht uns die „Königsetappe“ bevor, die uns bis nach Mikulov (Nikolsburg) auf den „Hl. Berg“ der Südmährer führt. Nach kurzer Busfahrt kommen wir problemlos über die Grenze und beginnen um 7:45 Uhr den Anstieg. Die Mühe wird mit einem prachtvollen Ausblick belohnt. Nach und nach treffen weitere Tagespilger ein. Die Gruppe soll heute auf über 500 Pilger/-innen anwachsen, wie die Zählung später zeigt. Die nur notdürftig instand gesetzte und provisorisch hergerichtete - dem heiligen Sebastian geweihte Kirche - lässt kaum die Reste alter Schönheit erahnen. Die prachtvolle Kuppelarchitektur zeigt jedoch den ästhetischen Anspruch des Gebäudes. Nur das Altarbild mit dem heiligen Sebastian schmückt noch den ansonsten devastierten Innenraum der Kirche. Zusammen mit dem Kaplan der örtlichen Pfarre, Karel Janoušek, und einer Gruppe tschechischer Christen feiern wir im Freien ein Morgenlob. Als kleines Gastgeschenk überreicht der Bischofsvikar eine Bibel für die Pfarre. Mit uns feiern heute auch einige Regionalpolitiker und der Dechant des Dekanats Poysdorf, George van Horick.

Durch Gassen mit teilweise schön renovierten Häusern, die in jede österreichische Bezirksstadt passten, geht es zur „grünen Grenze“. Entlang größtenteils eingestürzter Einfriedungen, die das frühere Wildschweingehege umzäunt haben, geht es zum Südmährer Kreuz, wo wir um die Mittagszeit ankommen. Der Bürgermeister von Drasenhofen begrüßt uns und erklärt die Entstehung des für die Heimatvertriebenen bis zur Öffnung der Grenze wichtigen Mahnmals. Durch ein Waldstück und an einer Fatima Marienstatue vorbei geht es nach Klein Schweinbarth, wo wir in einer kleinen, neugotischen Dorfkirche das Angelus Gebet verrichten und danach von der Dorfgemeinschaft gelabt werden.

Auf dem Weiterweg nach Falkenstein erwartet uns eine Überraschung. Als wir den Höhenrücken des Höhlensteins überschreiten und erstmals fast gleichzeitig die mächtige Burgruine und die prächtige barocke Pfarrkirche sehen können, tönen uns die Musikklänge der Dorfkapelle von Falkenstein entgegen. Sie begleitet uns zur „Lourdes Grotte“ und von dort weiter in die - Jakobus dem älteren - geweihte Pfarrkirche. In dem schönen Innenraum stechen zwei Besonderheiten hervor. Über dem Altarbild befindet sich die Hl. Dreifaltigkeit und ungewöhnlicherweise wird der Hl. Geist als Person dargestellt. In einer Schatzkammer wird als kulturhistorische Besonderheit eine gotische Marienstatue aus dem 14. Jahrhundert gezeigt. Die Ausdruckskraft dieses Bildnisses stimmt besinnlich und begleitet einen noch ein gutes Stück des Weges. Das ehemalige Dorfgasthaus ist für unseren Besuch reaktiviert worden und bietet ein kräftiges Pilgeressen. Kirtagsstimmung kommt auf, als die Dorfmusik flotte Tanzweisen zum Besten bringt.

Ein landschaftlich wunderschön gelegenes und lieblich verlaufendes Sträßchen führt uns auf den Galgenberg. Wir begeben uns - dem Höhenrücken entlang oberhalb der „Ackerweingärten“, die von Weingärten und Obstplantagen üppig bewachsen sind - zum Gotteshaus in Poysbrunn. Der Herr Pfarrer bewertet seine Filialkirche - verglichen mit den Dimensionen der Falkensteiner Kirche - eher als Kapelle, die vom Adelsgeschlecht - das die Burg Falkenstein verlassen hat - bald neben ihrem in Poysbrunn errichteten Schloss gebaut werden durfte. Das Altarbild zeigt die Hl. Dorothea und es ist dies die einzige österreichische Kirche, die dieser Heiligen geweiht ist.

Nach einer Labung nehmen wir das letzte und für die Meisten sicher anstrengendste Wegstück nach Drasenhofen in Angriff. Dort erwarten uns die Ministranten mit Prozessionsfahnen und begleiten uns in die Ortskirche. Man berichtet von den vielfältigen Renovierungen, die die Kirche im Lauf ihrer erst wenige hundert Jahre alten Geschichte erlebte. Aus heutiger Sicht ist man froh, dass einer der letzten Doppelchöre - die früher in dieser Gegend üblich waren - nämlich einer für die Männer und einer für die Sänger - erhalten geblieben ist. Die kleine tschechische Gruppe, die uns den ganzen Tag begleitet hat, wird mit einem Applaus verabschiedet und bedankt sich mit den Worten: „es war wunderschön, wunderschön, wunderschön.“ Im Pfarrhofgarten klingt der Abend bei einem guten Glas Wein aus.

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4. Tag: Freitag, 12. August 2005

Die vierte Tagesetappe beginnt in Hausbrunn, einem beschaulichen Flecken abseits der großen Straßen. Wieder sind ca. 170 Frauen und Männer unterwegs.

© knittelfelder

Die schmucke Kirche wurde erst vor wenigen Jahren aus dem Patronat der Liechtensteiner „entlassen“. Wie der Herr Pfarrer berichtet, ist das Schmuckstück - ein holzgeschnitzter vergoldeter Altar - seit der Renovierung im Weinviertler Museum Niedersulz zu bewundern.

Über einen sanften Höhenrücken geht’s weiter nach Altlichtenwarth. Nach einer kurzen Station am Kriegerdenkmal Hutsaulberg gelangen wir zur Kirche von Altlichtenwarth. Der Herr Pfarrer berichtet, dass vermutlich ein Handelsweg vorbei gegangen ist, weil die Kirche dem Patron der Händler und Seeleute, dem Hl. Nikolaus geweiht ist. Eine kunsthistorische Besonderheit für den gesamten niederösterreichischen Raum kann man in der Seitenkapelle, die früher eine Privatkapelle der Liechtenstein war, bewundern. Dem Betrachter bieten sich die Fresken aus 1310 in schön restaurierter und anregender Form dar. Bei der Labestation im Pfarrhof empfängt uns die Dorfkapelle mit munteren Weisen. (Man kann sogar das eine oder andere Paar das Tanzbein schwingen sehen). Dabei erklärte der Herr Bürgermeister auch die Bezeichnung der Säule. In den Schwedenkriegen diente sie als Notsignal. Wurde sie umgeworfen, bedeutete dies Gefahr und die Einwohner flüchteten in ihre Erdställe.

Die St. Georgs Kapelle in Althöflein, die wir nach einem langen Marsch über die „Lüssen“ um die Mittagszeit erreichen - ist in ein kulturhistorisch interessantes Ensemble eingebettet – dessen Zentrum sie ist. Vor dem Umbau war die Kapelle eine feste Wehrturmanlage, die gemeinsam mit den umgebenden Erdställen ein Fluchtzentrum darstellte. Das gesamte Ensemble mit Kellern und Gemeinschaftsanlagen ist heute unter Denkmalschutz. Frisch gestärkt geht es weiter.

Beim Einzug in Großkrut werden wir von einem prachtvollen Glockengeläute begrüßt. Dieses wurde soeben zur 950-Jahr Feier der ersten urkundlichen Erwähnung der Pfarre eingerichtet. In der prächtigen Pfarrkirche erfahren wir, dass der Ort die Urpfarre von 21 Gemeinden im Weinviertel ist.

© knittelfelder

Die Kirche vereint in harmonischer Form die ursprünglich romanische Bauform mit gotischen Erweiterungen und barocker Innenausstattung. Die Kopie des prachtvollen Altarbilds, dem Kirchenpatron St. Stephan geweiht, lässt ahnen wie prächtig wohl das Original gewesen sein musste. Dieses war im Wiener Stephansdom und ist dem Brand am Ende des  2. Weltkriegs zum Opfer gefallen. Der Pfarrgemeinderat hat im Veranstaltungszentrum keine Mühen gescheut, sogar eine „Gulaschkanone“ des roten Kreuzes ist aufgestellt. Die Gastfreundschaft gipfelt in Kaffee und Kuchen wie in der feinsten Konditorei.

Eine gleichfalls großzügige Gastfreundschaft wird uns in Walterskirchen entgegen gebracht, das wir nach einem geruhsamen Abschnitt entlang des Poybaches erreichen. Die besondere Ausstrahlung der Kirche „Maria Verkündigung“ wird durch einfühlsame, geistliche Gesänge, dargebracht von einer Männerschola, unterstrichen. Das tatsächliche Alter dieser Kirche - die in Dimension und Ausstattung nach Ansicht der Einheimischen wohl nur durch die Großzügigkeit früherer Gutsbesitzer möglich war - die rund 200 Einheimischen wären dazu kaum in der Lage gewesen, überrascht und spricht an. Das Alter dieses Gotteshauses, Mitte des 12. Jahrhunderts, wurde erst vor kurzem durch eine wissenschaftliche Bestimmung während der Dachsanierung erforscht. Im Seitenaltar befindet sich eine spätgotische Gottesmutter mit Kind, deren Ausstrahlung uns alle tief berührt. Gestärkt machen wir uns auf den letzten Abschnitt des heutigen Tages Richtung Poysdorf.

Schon kurz nach Erreichen des Feldweges, der Richtung Poysdorf geht, können wir die mächtige Pfarrkirche erblicken. Die Abendstation findet gemeinsam mit den Behinderten in deren Wohnheim in Poysdorf statt. Einige von ihnen wirken auf sehr berührende Weise mit.

Nach einem kurzen Besuch in die Quartiere treffen sich die meisten wieder in der Pfarrkirche Poysdorf zur „Langen Nacht der Bibel“. Bibellesung, Tanz, Gesang und viele Stationen rund um die Hl. Schrift wurden vorbereitet. Wir konnten eine Stunde lang die unterschiedlichen Stationen besuchen und haben dann mit einem Segensgebet um 23:00 Uhr diese „Lange Nacht“ beendet. Alle waren sehr berührt von den „Begegnungen mit dem Wort Gottes“.

Mehr Bilder vom 4. Tag gibt es online unter:

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5. Tag: Samstag, 13. August 2005

Als „Barockjuwel im Weinviertel“ wird das Ensemble aus Kirche und Pfarrhof in Obersulz bezeichnet. 191 Pilger konnten sich bei Antritt der 5. Tagesetappe von der Berechtigung dieser Bezeichnung überzeugen.

Der Weiterweg führt uns durch das Museumsdorf Niedersulz. Die aus allen Ecken des Weinviertels zusammen getragenen ursprünglichen Bauten sind perfekt wieder hergestellt und geben ein schönes Bild der früheren Kultur. Erster Höhepunkt der Tagesetappe ist die Einweihung der neuen Kapelle in Niedersulz, ein Duplikat dessen Original in Hohenruppersdorf steht. Dechant Ernst Steindl assistiert an diesem Tag dem Hr. Bischofsvikar.

© knittelfelder

Über eine sanfte Hügellandschaft durch meist abgeerntete Felder nur hin und wieder von Rüben- und Sonnenblumenfeldern abgelöst, geht es am weißen Kreuz vorbei und über das Straßfeld zur Spannberger Straße. Eine Delegation dieser Ortschaft - die im nächsten Jahr Station des Pilgerweges sein wird - begrüßt uns mit einem Transparent. Um die Mittagszeit kommen wir bei den „Sieben Rusten“, einem Wallfahrtsort für den sich Hohenruppersdorf und Spannberg die Verantwortung teilen, an. Für alle Pilger ein Höhepunkt ist die Anwesenheit von Eminenz Kardinal Schönborn, der mit uns feiert. Wie schon so oft in den letzten Tagen werden wir freundschaftlich bewirtet.

© knittelfelder

Um eine Terminkollision zu vermeiden wird ein Stück der Wegstrecke nach Hohenruppersdorf mit dem Bus überwunden. Bei der Abzweigung zur Kirche erwarten uns die „Ruppersdorfer Pilgersänger“, die jahrhunderte altes Liedgut am Leben erhalten haben. Die Kirche selbst hat eine wechselvolle Geschichte. Auf Grund von Meinungsverschiedenheiten zwischen den Kirchenherren und den ortsansässigen Gläubigen gab es zu mancher Zeit sogar 3 Pfarrkirchen. Der Herr Pfarrer äußert seine Einschätzung, dass diese Gegend vermutlich von Franken nach der Zurückdrängung der Magyaren besiedelt worden ist. Die Hl. Radigundis, die dort besonders verehrt wird, spricht für diese Überlegung. Ein Bildnis dieser Heiligen schmückt den Seitenaltar und auf einem wertvollen ehemaligen Hauptaltar aus Sandstein ist sie ebenfalls dargestellt. Die Gastgeber von den „Sieben Rusten“ sind auch hier um uns bemüht.

Nur ein kurzes Gehstück ist es bis zu unserer nächsten Station Klein-Harras. So jung die dortige, von außen schlichte Kirche ist, beinhaltet sie doch zwei Schätze. Ein prachtvolles, mit Kupfer vergoldetes und mit Halbedelsteinen verziertes Kreuz hängt über dem Hochaltar und ein Kruzifix, kunstvoll und zart aus Elfenbein (man hält es für den Stoßzahn eines indischen Elefanten) geschnitzt – hinterlassen einen tiefen Eindruck. Auch in diesem kleinen Ort werden wir aufs freundlichste bewirtet.

Als nach kurzer Gehzeit Bad Pirawarth erreicht ist, sind wir zunächst vom Pfarrzentrum mit prachtvollem Garten angetan. Gerade zum richtigen Zeitpunkt haben sich die Wolken verzogen, sodass wir das Salatbuffet genießen können. Nach ausgiebiger Rast bewegen wir uns auf den Kirchenberg. Die spätbarocke, nahe schon am Rokoko erbaute Kirche, hat längst unsere Blicke auf sich gezogen. Ihre Kostbarkeiten können ganze Broschüren füllen, wie es in dem „Kirchenführer der etwas anderen Art“, der schon in 2. Auflage erschienen ist, dokumentiert ist. Viele von uns Pilgern sind von der Kreuzigungsgruppe, der Kanzel und den ausdrucksstarken Bildern der Seitenaltäre (Martyrium der Hl. Agatha und die 14 Nothelfer) besonders beeindruckt. Auch der Klang der Erler Orgel aus 1849, die 1999 zuletzt überholt wurde, berührt uns tief und umrahmt neben herrlichen Gesängen die eucharistische Anbetung.

© knittelfelder

Verständlicherweise besonders stolz sind die Pirawarther auf ihren neuen Altar, den der einheimische Bildhauer und Schmid -  Mag. Walfried Huber – 1998 entworfen und angefertigt hat.

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6. Tag: Sonntag, 14. August 2005

Pünktlich um 8:00 Uhr beginnt das Morgenlob in der Hüttendorfer Pfarrkirche, die der Hl. Barbara geweiht ist. Sowie auch in der Stadtpfarrkirche Mistelbach waren durch 3 Jahrhunderte Barnabiten für die Pfarre zuständig um erst im vorigen Jahrhundert durch Salvatorianer ersetzt worden. Launig erklärt der stellvertretende Vorsitzende des Pfarrgemeinderates, dass das Leitergerüst am Dach nicht zur Darstellung einer Himmelsleiter diene, sondern das Kirchenkreuz bei der Restaurierung sei. Die Prozessionsfahnen der Hüttendorfer begleiten uns – heute sind wir wieder knapp 170 Pilger/-innen - entlang von Zaya und Mistel zum Kirchenberg Mistelbach - auf dem - die dem Hl. Martin geweihte, mächtige 3-schiffige gotische Pfarrkirche steht. Ein prächtiger Hauptaltar und wunderschönes Chorgestühl sowie auch die klangvolle Orgel zeichnen die Pfarrkirche besonders aus. In einer Nische vor dem Chor steht eine wertvolle Madonnenstatue. Der Stadtpfarrer berichtet, dass diese zufällig auf dem Dachboden gefunden wurde und man erst damals wieder erkannt hat, welche kunsthistorische Bedeutung sie hat. Mit der örtlichen Pfarrgemeinde können wir die Familienmesse feiern. Besonders die Kinder tragen Wesentliches zur Gestaltung bei und ihre fröhlichen Gesänge bringen viele fröhliche Gesichter hervor.

© knittelfelder

Ein Orgelkonzert mit einer wunderschönen Gesangseinlage überbrückt die Pause bis zur Mittagszeit, die wir im modernen und funktionellen Pfarrzentrum verbringen. Auch die Mistelbacher habe keine Mühen gescheut.

Auf „der grünen Straße“ entlang der Mistel gelangen wir bald zur „Maria Rast Kapelle“. Wir hören, dass sie etwa 25 Jahre alt ist und vom Weihbischof Jachim angeregt wurde, als die Totenhauer Siedlung mit anderen zusammen wuchs. Die Pilgergruppe vereinigt sich dort mit etwa 120 Ministranten aus dem Vikariat.

© knittelfelder

Somit bewegen sich dann gezählte 278 Pilger weiter nach Eibesthal, das wir über den Drischberg erreichen. Auf der Anhöhe angelangt grüßt nochmals der Kirchenturm von Mistelbach herüber, während wir im Tal schon die mächtige und wuchtige Eibesthaler Pfarrkirche und eine schöne Kellergasse, die von links in die Ortschaft hinein führt, erblicken. Man fragt sich wozu eine so kleine Ortschaft eine derart große Kirche benötigt. Aber bald werden wir belehrt, dass die Dimensionen der Kirche auch mit den traditionsreichen Passionsspielen und dem Umstand, dass unter der Kirche ein Veranstaltungssaal ist, zu tun hat. Um die Wende vom 19. ins 20. Jahrhundert wurde mit den Spielen begonnen, um die Mittel für einen Kirchenneubau zu erwirtschaften. In den letzten Jahren hat man in Anlehnung an die Puppenspiele der Bezirkshauptstadt Mistelbach „Biblische Figurenspiele nach Markus“ geschaffen, die großen Anklang finden. Der Innenraum der Kirche ist schlicht, streng, klar und einfach strukturiert. Trotzdem wird durch die schönen bunten Glasfenster eine harmonische Stimmung erzeugt. Gestärkt können wir uns auf den Weiterweg machen.

Nach Überschreiten eines Hügels erreichen wir Wilfersdorf. Der Zwiebelturm der Kirche - eigenartig geformt - ist schon von weit her zu sehen, obwohl sich das gesamte Gebäude noch unseren Blicken verbirgt. Im Musikvereinshaus werden wir von einer Delegation empfangen und begrüßt und bewirtet. Wir bewegen uns zum Gipfel des „Hl. Bergs“, auf dem sich eine Kreuzigungsgruppe befindet. Schöne Figuren schmücken die einzelnen Stationen dieses Kalvarienbergs, wir sind zum Meditieren eingeladen. Im Ort sammeln wir uns vor der wunderschön renovierten Kapelle „Maria vom Siege“, die in einem Festakt - zuerst die Kapelle, dann die Statue geweiht werden. Kirchenchor und eine Gruppe von Kindern untermalen die Zeremonie.

 Dechant Ernst Steindl mit den Kindern beim Eröffnungspiel

Viele nutzen noch die Möglichkeit zu einem „Abstecher“ in die neu renovierte St. Nikolaus Kirche Wilfersdorfs. Die alte gotische Kirche aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts ist nur mehr in Fragmenten wahrzunehmen. Jedoch -  die in den 1740-iger Jahren vorgenommene barocke Erweiterung und insbesondere die einzigartige, prachtvolle Stuckatur - bestechen. Alle waren wir uns einig, ein weiteres barockes Schatzkästlein unserer Heimat kennen gelernt zu haben. Unsere Führer weisen auch auf die historische Bedeutung von Wilfersdorf als „Wiege des Hauses Liechtenstein“ hin, weil alle Mitglieder der fürstlichen Familie auf die 4 in der Liechtensteingruft ruhenden Stammväter zurückzuführen seien.

Auf Reichtum und Schaffensfreude dieser Familie weist das prachtvolle Schloss Liechtenstein, in das wir zum Abendessen geladen sind, eindrucksvoll hin.

Als kleine Überraschung gibt es dann unter den Bäumen noch ein „Abendkino“ mit den Bildern der letzten Tage.

Mehr Bilder vom 6. Tag gibt es online unter:

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7. Tag: Montag, 15. August 2005

Vorsorglich wurde schon am Vortag, wegen des sich ankündigenden Wettersturzes, der Tagesverlauf umgeplant. Tatsächlich begann es schon ab dem Vormittag heftig zu regnen. Trotzdem ließen sich an die 150 Pilger nicht abhalten. Kurz nach 8:00 Uhr begann die Laudes in der Pfarrkirche Altruppersdorf. Ein prächtiges Altarbild des Hl. Sebastian ist das Prunkstück der prachtvoll renovierten Kirche. Musikalische Darbietungen und Tänze der Kinder bringen alle in eine gute Stimmung.

In ca. 5/4 Stunden ziehen wir durch Föllim nach Kleinhadersdorf. Die dem Hl. Rochus geweihte Pfarrkirche kann sich nicht ganz in dem Zustand präsentieren, wie sich´s alle vorgenommen hatten, der Turm ist noch eingerüstet. Der Zwischenstand lässt aber das Beste erwarten. Trotz Regens ist die Labestation für uns vorbereitet. Etwa 60 Teilnehmer verschiedener Sternwallfahrten und die Ministranten vom Vortag stoßen auch heute dazu.

Kurz nach 11:00 Uhr gelangen wir zum bedeutenden Wallfahrtsort Maria Bründl. Beim schon lange als Marienwallfahrtsort beliebten Bild wurde 1655 die Ursprungskapelle errichtet. Aus dieser Zeit stammt auch das Gnadenbild am Hochalter, das die Gottesmutter mit Jesus und Johannes dem Täufer zeigt. Die heutige Wallfahrtskirche wurde vom Barockbaumeister, Donato Felice d`Àllio, 1740 errichtet und 1751 geweiht.

© knittelfelder  Bischofsvikar Matthias Roch in Maria Bründl

Um die Mittagszeit gelangen wir zur Pfarrkirche von Poysdorf, die uns bereits am Freitag Heimstatt zur langen Nacht der Bibel gegeben hatte. Die prächtige frühbarocke Kirche – dem Hl. Johannes „dem Täufer“ gewidmet - wurde 1640 geweiht und ersetzte eine Taufkirche, die noch einige hundert Jahre älter gewesen sein dürfte. Wie viele Ortschaften wurde auch Poysdorf im 30-jährigen Krieg von den Schweden als Quartier benutzt. Der Name „Reitschule“ erinnert noch an den Frevel der Schweden, die die Kirche als Festung und Pferdestall benutzt haben. Das Altarbild zeigt die Taufe Jesu im Jordan und wird der Schule des Kremser Schmid zugeschrieben. Eine Fülle anderer, kunsthistorisch bedeutsamer Bilder befinden sich an den Seitenaltären. Auch die Türkenkriege hatten ihren Einfluss auf die architektonische Ausgestaltung des Pfarrhauses, insbesondere die alte Wehrmauer um den Friedhof.

Den Abschlussgottesdienst feiern gemeinsam mit dem Herrn Bischofsvikar eine ganze Reihe von Dechanten und Priestern. Auch der Pfarrer von Mikulov - Propst von Mikulov Stanislav Kratky - nimmt zur großen Freude vieler teil. Die Kirche ist überfüllt, etwa 700 Gläubige feiern mit. Wie schon in Maria Bründl liefern auch hier die Kinder schöne Beiträge zur Gestaltung des Gottesdienstes.

© knittelfelder  Die volle Pfarrkirche Poysdorf.

Für die Kinder wurden Luftballons vorbereitet, die sie gemeinsam mit dem Bischofsvikar steigen lassen. Die Ballons tragen die kleinen Minibibeln in alle Windrichtungen.

© knittelfelder

Nach einem üppigen Mittagessen wird nochmals das schöne Lied von „der wahren Freundschaft“ gemeinsam gesungen. Es unterstreicht das, was alle bewegt: viele Begegnungen erfahren zu haben und beschenkt und bereichert heimzukehren.

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Christine und Friedrich Macher

Ladendorf, 25.8.2005

(Bearbeitet, ergänzt und onlineVersion von Franz Knittelfelder, Bildungshaus Schloss Großrußbach – www.bildungshaus.cc)