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1. Tag: Dienstag, 9. August 2005
Über
250 Pilger haben sich eingefunden, als wir am Dienstag, um 7:45
Uhr von der Geistlichkeit des Dekanats mit Herrn Dechanten Stadtpfarrer
Dr. Christoph Goldschmidt von Laa an der Spitze sowie Vertretern
der Stadtgemeinde begrüßt werden. Die Sonne hat eben begonnen, sich
gegen die morgendliche Bewölkung durchzusetzen und leuchtet den
Stadtplatz sanft aus.
Die volle Kirche beim Eröffnungsgottesdienst
Der
feierliche Eröffnungsgottesdienst findet in der Stadtpfarrkirche
St. Vitus statt. Diese ist eine der größten, noch erhaltenen - in
Kreuzesform errichteten - spätromanischen Kirchen Niederösterreichs.
In der Predigt weist unser Bischofsvikar Matthias Roch auf die Grundintention
des Weinviertler Pilgerweges: Zeichen zu geben und Begegnungen zu
ermöglichen, hin.
Nach einem halbstündigen Fußweg über abgeerntete
Felder und durch eine Robinien Allee erwartet uns beim Hanfthaler
Frauenbild eine Überraschung: die Ortskapelle von Hanfthal bringt
uns ein flottes Ständchen. Vor der gut instand gehaltenen und geschmückten
Kapelle wird Station gehalten.
Begleitet von den Klängen der Kapelle ziehen
wir durch eine Kirschenallee nach Hanfthal weiter. Der schönen Pfarrkirche
fehlt der ursprüngliche Hauptaltar. Dessen Reste, die dem Wurmstich
zum Opfer gefallenen sind - vor allem Statuen, schmücken schön ästhetisch
verteilt das gesamte Gotteshaus.
Vorbei an Brunnberg und über Oberfeld, Kernfeld
und Mittelfeld verlassen wir langsam die Laaer Tiefebene und kommen
zur Florian Kapelle in Kleinbaumgarten.
Nach kurzer Station geht es weiter in die 950
Jahre alte Pfarrkirche von Gaubitsch. Einstens vermutlich eine dreischiffige
Basilika und Stammkirche von einem Dutzend Pfarren in der näheren
und weiteren Umgebung. Die dem heiligen Stephanus geweihte Pfarrkirche
wurde zu ihrem Jubiläum besonders schön restauriert.
Durch hügeliger werdendes Gelände kommen wir
auf den „Sieben Berge Blick“, der neben Buschberg und Staatzer Klippe
– fünf andere Anhöhen - einschließlich der schon auf tschechischem
Gebiet liegenden - „Pöllauer Berge“ bietet.
In einer knappen Viertelstunde erreichen wir
die Filialkirche Oberschoderlee, die dem Hl. Antonius (dem Einsiedler)
geweiht ist. Von der Straße her verblüfft die Kirche durch Ihre
Proportionen - man vermeint einen mächtigen Kirchturm, der alleine
dasteht - zu sehen. Tatsächlich ist das Kirchlein unter vielen Opfern
der Ortsansässigen wiederhergestellt worden und bietet sich in ihrem
niedrigen, aber weiten Inneren als Besonderheit dar.
Über Starnberg und durch das Jetzental langen
wir bei der wunderschönen Pfarrkirche in Stronsdorf an. Diese gotische,
ehemalige Wehrkirche präsentiert sich mit prachtvoller Innenausstattung.
Das Prunkstück ist aber die Orgel. Wir haben die Möglichkeit ihre
Entstehungs- und Erweiterungsgeschichte kennen zu lernen und dürfen
von kundiger Organistenhand bespielt erahnen, welche Möglichkeiten
sie bietet.
Über herbstliche Stoppelfelder geht es nach Patzmannsdorf.
Das engagiert vorbereitete und durchgeführte Abendlob lässt den
ersten Tag schön ausklingen und auch das Abendessen wird gastfreundlich
serviert.
Mehr Bilder vom 1. Tag gibt es online unter:
http://www.pilgerweg.cc/pilgerweg/articles/2005/08/09/a2630/
2. Tag: Mittwoch, 10. August 2005
Die heutige Tagesetappe starten wir in Wildendürnbach.
Eine moderne - dem Hl. Petrus geweihte - in den 70-iger Jahren erbaute
Kirche, empfängt uns. Die bunten Glasfenster hinter dem Altar geben
dem Gotteshaus eine besondere Stimmung.
In kurzen 20 Minuten gelangen die knapp 200 Pilger/-innen
über eine Promenade zur „Mariahilf Kirche“ in Neuruppersdorf. Sie
hat im Vorjahr ihr hundertjähriges Bestandsjubiläum gefeiert. Ihr
Altar ist aus dem Sarkophag des heiligen Clemens Maria Holzbauer
geschaffen worden.
Entlang eines sanften Höhenrückens geht´s nun
weiter nach Kirchstetten, wo uns mit der „Hl. Geist Kirche“ eines
der ältesten Gebäude Niederösterreichs erwartet. Die Bauform des
Kirchenschiffs ist romanisch, der Altarraum ist gotisch, der Altar
selbst barock ausgeführt. Dank der niederösterreichischen Landesausstellung
1998 - im Schloss Kirchstetten - wurde auch die Kirche renoviert
und mit ihren 900 Jahren steht sie nun wieder recht stattlich da.
Am Neudorfer Graben entlang sind wir in einer
halben Stunde in Neudorf bei Staatz, wo uns wieder ein freundlicher
Empfang bereitet wird. Die - dem heiligen Nikolaus geweihte - prachtvolle
Barockkirche ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Als kulturhistorische
Besonderheit gibt es eine spätgotische Pieta anzusehen. Auf dem
Kirchvorplatz steht großzügige Labung für uns bereit.
Ein auf Grund von Mittagshitze und Sonneneinstrahlung
strapaziöser Fußmarsch durch ein Gebiet dessen Eigenname „auf der
Ebene“ alles über den Charakter aussagt, führt uns zur neuromanischen
Propstei - Kirche von Staatz. Mit ihrer Erbauung wurde vor hundert
Jahren, nach dem Einsturz der früheren barocken Kirche begonnen.
Wenige Stücke dieser großen Vergangenheit finden sich auch heute
noch - insbesondere der 600 Jahre alte Taufbrunnen - in der Seitenkapelle.
Nach einem üppigen Mittagessen geht es über den - durch Initiative
der Staatzer wieder gut instand gesetzten Kalvarienberg und den
ehemaligen Standplatz der Pfarrkirche Ullendorf - die durch Erdverlagerungen
einstürzte, kommen wir zu einem herrlichen Kellerplatz, wo die Ullendorfer
Pfarrgemeinderäte eine hochwillkommene Kaffeejause verabreichen.
Die „neue“ Pfarrkirche besticht durch den wunderschön gepflegten
Kirchenberg und ihr properes Äußeres. Die liebevoll zusammengestellte
Innenausstattung findet ihre Besonderheit im Altarbild. Es stellt
die Hl. Kunigunde dar und konnte aus der alten Kirche gerettet werden.
Vorbei am „Franzosenkreuz“ gelangen wir durch
ein kurzes Waldstück nach Loosdorf, wo uns schon von weitem die
Glocken begrüßen. Für die überraschend prunkvolle Ausstattung der
Pfarrkirche - einer wenige hundert Seelen zählenden Gemeinde - gibt
es eine Erklärung. Es handelt sich um die frühere Schlosskapelle,
die von der Familie Piati vor drei Jahren der Pfarrgemeinde übereignet
worden ist. Ein stimmungsvolles Abendlob beschließt den spirituellen
Teil unserer Pilgerreise und im Feuerwehrhaus wird noch köstlich
und überreichlich für unser leibliches Wohl gesorgt.
Mehr Bilder vom 2. Tag gibt es online unter:
http://www.pilgerweg.cc/pilgerweg/articles/2005/08/10/a2632/
3. Tag: Donnerstag, 11. August 2005
Heute steht uns die „Königsetappe“ bevor, die
uns bis nach Mikulov (Nikolsburg) auf den „Hl. Berg“ der Südmährer
führt. Nach kurzer Busfahrt kommen wir problemlos über die Grenze
und beginnen um 7:45 Uhr den Anstieg. Die Mühe wird mit einem prachtvollen
Ausblick belohnt. Nach und nach treffen weitere Tagespilger ein.
Die Gruppe soll heute auf über 500 Pilger/-innen anwachsen, wie
die Zählung später zeigt. Die nur notdürftig instand gesetzte und
provisorisch hergerichtete - dem heiligen Sebastian geweihte Kirche
- lässt kaum die Reste alter Schönheit erahnen. Die prachtvolle
Kuppelarchitektur zeigt jedoch den ästhetischen Anspruch des Gebäudes.
Nur das Altarbild mit dem heiligen Sebastian schmückt noch den ansonsten
devastierten Innenraum der Kirche. Zusammen mit dem Kaplan der örtlichen
Pfarre, Karel Janoušek, und einer Gruppe tschechischer Christen
feiern wir im Freien ein Morgenlob. Als kleines Gastgeschenk überreicht
der Bischofsvikar eine Bibel für die Pfarre. Mit uns feiern heute
auch einige Regionalpolitiker und der Dechant des Dekanats Poysdorf,
George van Horick.
Durch Gassen mit teilweise schön renovierten
Häusern, die in jede österreichische Bezirksstadt passten, geht
es zur „grünen Grenze“. Entlang größtenteils eingestürzter Einfriedungen,
die das frühere Wildschweingehege umzäunt haben, geht es zum Südmährer
Kreuz, wo wir um die Mittagszeit ankommen. Der Bürgermeister von
Drasenhofen begrüßt uns und erklärt die Entstehung des für die Heimatvertriebenen
bis zur Öffnung der Grenze wichtigen Mahnmals. Durch ein Waldstück
und an einer Fatima Marienstatue vorbei geht es nach Klein Schweinbarth,
wo wir in einer kleinen, neugotischen Dorfkirche das Angelus Gebet
verrichten und danach von der Dorfgemeinschaft gelabt werden.
Auf dem Weiterweg nach Falkenstein erwartet uns
eine Überraschung. Als wir den Höhenrücken des Höhlensteins überschreiten
und erstmals fast gleichzeitig die mächtige Burgruine und die prächtige
barocke Pfarrkirche sehen können, tönen uns die Musikklänge der
Dorfkapelle von Falkenstein entgegen. Sie begleitet uns zur „Lourdes
Grotte“ und von dort weiter in die - Jakobus dem älteren - geweihte
Pfarrkirche. In dem schönen Innenraum stechen zwei Besonderheiten
hervor. Über dem Altarbild befindet sich die Hl. Dreifaltigkeit
und ungewöhnlicherweise wird der Hl. Geist als Person dargestellt.
In einer Schatzkammer wird als kulturhistorische Besonderheit eine
gotische Marienstatue aus dem 14. Jahrhundert gezeigt. Die Ausdruckskraft
dieses Bildnisses stimmt besinnlich und begleitet einen noch ein
gutes Stück des Weges. Das ehemalige Dorfgasthaus ist für unseren
Besuch reaktiviert worden und bietet ein kräftiges Pilgeressen.
Kirtagsstimmung kommt auf, als die Dorfmusik flotte Tanzweisen zum
Besten bringt.
Ein landschaftlich wunderschön gelegenes und
lieblich verlaufendes Sträßchen führt uns auf den Galgenberg. Wir
begeben uns - dem Höhenrücken entlang oberhalb der „Ackerweingärten“,
die von Weingärten und Obstplantagen üppig bewachsen sind - zum
Gotteshaus in Poysbrunn. Der Herr Pfarrer bewertet seine Filialkirche
- verglichen mit den Dimensionen der Falkensteiner Kirche - eher
als Kapelle, die vom Adelsgeschlecht - das die Burg Falkenstein
verlassen hat - bald neben ihrem in Poysbrunn errichteten Schloss
gebaut werden durfte. Das Altarbild zeigt die Hl. Dorothea und es
ist dies die einzige österreichische Kirche, die dieser Heiligen
geweiht ist.
Nach einer Labung nehmen wir das letzte und für
die Meisten sicher anstrengendste Wegstück nach Drasenhofen in Angriff.
Dort erwarten uns die Ministranten mit Prozessionsfahnen und begleiten
uns in die Ortskirche. Man berichtet von den vielfältigen Renovierungen,
die die Kirche im Lauf ihrer erst wenige hundert Jahre alten Geschichte
erlebte. Aus heutiger Sicht ist man froh, dass einer der letzten
Doppelchöre - die früher in dieser Gegend üblich waren - nämlich
einer für die Männer und einer für die Sänger - erhalten geblieben
ist. Die kleine tschechische Gruppe, die uns den ganzen Tag begleitet
hat, wird mit einem Applaus verabschiedet und bedankt sich mit den
Worten: „es war wunderschön, wunderschön, wunderschön.“ Im Pfarrhofgarten
klingt der Abend bei einem guten Glas Wein aus.
Mehr Bilder vom 3. Tag gibt es online unter:
http://www.pilgerweg.cc/pilgerweg/articles/2005/08/11/a2633/
4. Tag: Freitag, 12. August 2005
Die vierte Tagesetappe beginnt in Hausbrunn,
einem beschaulichen Flecken abseits der großen Straßen. Wieder sind
ca. 170 Frauen und Männer unterwegs.
Die schmucke Kirche wurde erst vor wenigen Jahren
aus dem Patronat der Liechtensteiner „entlassen“. Wie der Herr Pfarrer
berichtet, ist das Schmuckstück - ein holzgeschnitzter vergoldeter
Altar - seit der Renovierung im Weinviertler Museum Niedersulz zu
bewundern.
Über einen sanften Höhenrücken geht’s weiter
nach Altlichtenwarth. Nach einer kurzen Station am Kriegerdenkmal
Hutsaulberg gelangen wir zur Kirche von Altlichtenwarth. Der Herr
Pfarrer berichtet, dass vermutlich ein Handelsweg vorbei gegangen
ist, weil die Kirche dem Patron der Händler und Seeleute, dem Hl.
Nikolaus geweiht ist. Eine kunsthistorische Besonderheit für den
gesamten niederösterreichischen Raum kann man in der Seitenkapelle,
die früher eine Privatkapelle der Liechtenstein war, bewundern.
Dem Betrachter bieten sich die Fresken aus 1310 in schön restaurierter
und anregender Form dar. Bei der Labestation im Pfarrhof empfängt
uns die Dorfkapelle mit munteren Weisen. (Man kann sogar das eine
oder andere Paar das Tanzbein schwingen sehen). Dabei erklärte der
Herr Bürgermeister auch die Bezeichnung der Säule. In den Schwedenkriegen
diente sie als Notsignal. Wurde sie umgeworfen, bedeutete dies Gefahr
und die Einwohner flüchteten in ihre Erdställe.
Die St. Georgs Kapelle in Althöflein, die wir
nach einem langen Marsch über die „Lüssen“ um die Mittagszeit erreichen
- ist in ein kulturhistorisch interessantes Ensemble eingebettet
– dessen Zentrum sie ist. Vor dem Umbau war die Kapelle eine feste
Wehrturmanlage, die gemeinsam mit den umgebenden Erdställen ein
Fluchtzentrum darstellte. Das gesamte Ensemble mit Kellern und Gemeinschaftsanlagen
ist heute unter Denkmalschutz. Frisch gestärkt geht es weiter.
Beim Einzug in Großkrut werden wir von einem
prachtvollen Glockengeläute begrüßt. Dieses wurde soeben zur 950-Jahr
Feier der ersten urkundlichen Erwähnung der Pfarre eingerichtet.
In der prächtigen Pfarrkirche erfahren wir, dass der Ort die Urpfarre
von 21 Gemeinden im Weinviertel ist.
Die Kirche vereint in harmonischer Form die ursprünglich
romanische Bauform mit gotischen Erweiterungen und barocker Innenausstattung.
Die Kopie des prachtvollen Altarbilds, dem Kirchenpatron St. Stephan
geweiht, lässt ahnen wie prächtig wohl das Original gewesen sein
musste. Dieses war im Wiener Stephansdom und ist dem Brand am Ende
des 2. Weltkriegs zum Opfer gefallen. Der Pfarrgemeinderat hat
im Veranstaltungszentrum keine Mühen gescheut, sogar eine „Gulaschkanone“
des roten Kreuzes ist aufgestellt. Die Gastfreundschaft gipfelt
in Kaffee und Kuchen wie in der feinsten Konditorei.
Eine gleichfalls großzügige Gastfreundschaft
wird uns in Walterskirchen entgegen gebracht, das wir nach einem
geruhsamen Abschnitt entlang des Poybaches erreichen. Die besondere
Ausstrahlung der Kirche „Maria Verkündigung“ wird durch einfühlsame,
geistliche Gesänge, dargebracht von einer Männerschola, unterstrichen.
Das tatsächliche Alter dieser Kirche - die in Dimension und Ausstattung
nach Ansicht der Einheimischen wohl nur durch die Großzügigkeit
früherer Gutsbesitzer möglich war - die rund 200 Einheimischen wären
dazu kaum in der Lage gewesen, überrascht und spricht an. Das Alter
dieses Gotteshauses, Mitte des 12. Jahrhunderts, wurde erst vor
kurzem durch eine wissenschaftliche Bestimmung während der Dachsanierung
erforscht. Im Seitenaltar befindet sich eine spätgotische Gottesmutter
mit Kind, deren Ausstrahlung uns alle tief berührt. Gestärkt machen
wir uns auf den letzten Abschnitt des heutigen Tages Richtung Poysdorf.
Schon kurz nach Erreichen des Feldweges, der
Richtung Poysdorf geht, können wir die mächtige Pfarrkirche erblicken.
Die Abendstation findet gemeinsam mit den Behinderten in deren Wohnheim
in Poysdorf statt. Einige von ihnen wirken auf sehr berührende Weise
mit.
Nach einem kurzen Besuch in die Quartiere treffen
sich die meisten wieder in der Pfarrkirche Poysdorf zur „Langen
Nacht der Bibel“. Bibellesung, Tanz, Gesang und viele Stationen
rund um die Hl. Schrift wurden vorbereitet. Wir konnten eine Stunde
lang die unterschiedlichen Stationen besuchen und haben dann mit
einem Segensgebet um 23:00 Uhr diese „Lange Nacht“ beendet. Alle
waren sehr berührt von den „Begegnungen mit dem Wort Gottes“.
Mehr Bilder vom 4. Tag gibt es online unter:
http://www.pilgerweg.cc/pilgerweg/articles/2005/08/12/a2634/
5. Tag: Samstag, 13. August 2005
Als „Barockjuwel im Weinviertel“ wird das Ensemble
aus Kirche und Pfarrhof in Obersulz bezeichnet. 191 Pilger konnten
sich bei Antritt der 5. Tagesetappe von der Berechtigung dieser
Bezeichnung überzeugen.
Der Weiterweg führt uns durch das Museumsdorf
Niedersulz. Die aus allen Ecken des Weinviertels zusammen getragenen
ursprünglichen Bauten sind perfekt wieder hergestellt und geben
ein schönes Bild der früheren Kultur. Erster Höhepunkt der Tagesetappe
ist die Einweihung der neuen Kapelle in Niedersulz, ein Duplikat
dessen Original in Hohenruppersdorf steht. Dechant Ernst Steindl
assistiert an diesem Tag dem Hr. Bischofsvikar.
Über eine sanfte Hügellandschaft durch meist
abgeerntete Felder nur hin und wieder von Rüben- und Sonnenblumenfeldern
abgelöst, geht es am weißen Kreuz vorbei und über das Straßfeld
zur Spannberger Straße. Eine Delegation dieser Ortschaft - die im
nächsten Jahr Station des Pilgerweges sein wird - begrüßt uns mit
einem Transparent. Um die Mittagszeit kommen wir bei den „Sieben
Rusten“, einem Wallfahrtsort für den sich Hohenruppersdorf und Spannberg
die Verantwortung teilen, an. Für alle Pilger ein Höhepunkt ist
die Anwesenheit von Eminenz Kardinal Schönborn, der mit uns feiert.
Wie schon so oft in den letzten Tagen werden wir freundschaftlich
bewirtet.
Um eine Terminkollision zu vermeiden wird ein
Stück der Wegstrecke nach Hohenruppersdorf mit dem Bus überwunden.
Bei der Abzweigung zur Kirche erwarten uns die „Ruppersdorfer Pilgersänger“,
die jahrhunderte altes Liedgut am Leben erhalten haben. Die Kirche
selbst hat eine wechselvolle Geschichte. Auf Grund von Meinungsverschiedenheiten
zwischen den Kirchenherren und den ortsansässigen Gläubigen gab
es zu mancher Zeit sogar 3 Pfarrkirchen. Der Herr Pfarrer äußert
seine Einschätzung, dass diese Gegend vermutlich von Franken nach
der Zurückdrängung der Magyaren besiedelt worden ist. Die Hl. Radigundis,
die dort besonders verehrt wird, spricht für diese Überlegung. Ein
Bildnis dieser Heiligen schmückt den Seitenaltar und auf einem wertvollen
ehemaligen Hauptaltar aus Sandstein ist sie ebenfalls dargestellt.
Die Gastgeber von den „Sieben Rusten“ sind auch hier um uns bemüht.
Nur ein kurzes Gehstück ist es bis zu unserer
nächsten Station Klein-Harras. So jung die dortige, von außen schlichte
Kirche ist, beinhaltet sie doch zwei Schätze. Ein prachtvolles,
mit Kupfer vergoldetes und mit Halbedelsteinen verziertes Kreuz
hängt über dem Hochaltar und ein Kruzifix, kunstvoll und zart aus
Elfenbein (man hält es für den Stoßzahn eines indischen Elefanten)
geschnitzt – hinterlassen einen tiefen Eindruck. Auch in diesem
kleinen Ort werden wir aufs freundlichste bewirtet.
Als nach kurzer Gehzeit Bad Pirawarth erreicht
ist, sind wir zunächst vom Pfarrzentrum mit prachtvollem Garten
angetan. Gerade zum richtigen Zeitpunkt haben sich die Wolken verzogen,
sodass wir das Salatbuffet genießen können. Nach ausgiebiger Rast
bewegen wir uns auf den Kirchenberg. Die spätbarocke, nahe schon
am Rokoko erbaute Kirche, hat längst unsere Blicke auf sich gezogen.
Ihre Kostbarkeiten können ganze Broschüren füllen, wie es in dem
„Kirchenführer der etwas anderen Art“, der schon in 2. Auflage erschienen
ist, dokumentiert ist. Viele von uns Pilgern sind von der Kreuzigungsgruppe,
der Kanzel und den ausdrucksstarken Bildern der Seitenaltäre (Martyrium
der Hl. Agatha und die 14 Nothelfer) besonders beeindruckt. Auch
der Klang der Erler Orgel aus 1849, die 1999 zuletzt überholt wurde,
berührt uns tief und umrahmt neben herrlichen Gesängen die eucharistische
Anbetung.
Verständlicherweise besonders stolz sind die
Pirawarther auf ihren neuen Altar, den der einheimische Bildhauer
und Schmid - Mag. Walfried Huber – 1998 entworfen und angefertigt
hat.
Mehr Bilder vom 5. Tag gibt es online unter:
http://www.pilgerweg.cc/pilgerweg/articles/2005/08/13/a2635/
6. Tag: Sonntag, 14. August 2005
Pünktlich um 8:00 Uhr beginnt das Morgenlob in
der Hüttendorfer Pfarrkirche, die der Hl. Barbara geweiht ist. Sowie
auch in der Stadtpfarrkirche Mistelbach waren durch 3 Jahrhunderte
Barnabiten für die Pfarre zuständig um erst im vorigen Jahrhundert
durch Salvatorianer ersetzt worden. Launig erklärt der stellvertretende
Vorsitzende des Pfarrgemeinderates, dass das Leitergerüst am Dach
nicht zur Darstellung einer Himmelsleiter diene, sondern das Kirchenkreuz
bei der Restaurierung sei. Die Prozessionsfahnen der Hüttendorfer
begleiten uns – heute sind wir wieder knapp 170 Pilger/-innen -
entlang von Zaya und Mistel zum Kirchenberg Mistelbach - auf dem
- die dem Hl. Martin geweihte, mächtige 3-schiffige gotische Pfarrkirche
steht. Ein prächtiger Hauptaltar und wunderschönes Chorgestühl sowie
auch die klangvolle Orgel zeichnen die Pfarrkirche besonders aus.
In einer Nische vor dem Chor steht eine wertvolle Madonnenstatue.
Der Stadtpfarrer berichtet, dass diese zufällig auf dem Dachboden
gefunden wurde und man erst damals wieder erkannt hat, welche kunsthistorische
Bedeutung sie hat. Mit der örtlichen Pfarrgemeinde können wir die
Familienmesse feiern. Besonders die Kinder tragen Wesentliches zur
Gestaltung bei und ihre fröhlichen Gesänge bringen viele fröhliche
Gesichter hervor.
Ein Orgelkonzert mit einer wunderschönen Gesangseinlage
überbrückt die Pause bis zur Mittagszeit, die wir im modernen und
funktionellen Pfarrzentrum verbringen. Auch die Mistelbacher habe
keine Mühen gescheut.
Auf „der grünen Straße“ entlang der Mistel gelangen
wir bald zur „Maria Rast Kapelle“. Wir hören, dass sie etwa 25 Jahre
alt ist und vom Weihbischof Jachim angeregt wurde, als die Totenhauer
Siedlung mit anderen zusammen wuchs. Die Pilgergruppe vereinigt
sich dort mit etwa 120 Ministranten aus dem Vikariat.
Somit bewegen sich dann gezählte 278 Pilger weiter
nach Eibesthal, das wir über den Drischberg erreichen. Auf der Anhöhe
angelangt grüßt nochmals der Kirchenturm von Mistelbach herüber,
während wir im Tal schon die mächtige und wuchtige Eibesthaler Pfarrkirche
und eine schöne Kellergasse, die von links in die Ortschaft hinein
führt, erblicken. Man fragt sich wozu eine so kleine Ortschaft eine
derart große Kirche benötigt. Aber bald werden wir belehrt, dass
die Dimensionen der Kirche auch mit den traditionsreichen Passionsspielen
und dem Umstand, dass unter der Kirche ein Veranstaltungssaal ist,
zu tun hat. Um die Wende vom 19. ins 20. Jahrhundert wurde mit den
Spielen begonnen, um die Mittel für einen Kirchenneubau zu erwirtschaften.
In den letzten Jahren hat man in Anlehnung an die Puppenspiele der
Bezirkshauptstadt Mistelbach „Biblische Figurenspiele nach Markus“
geschaffen, die großen Anklang finden. Der Innenraum der Kirche
ist schlicht, streng, klar und einfach strukturiert. Trotzdem wird
durch die schönen bunten Glasfenster eine harmonische Stimmung erzeugt.
Gestärkt können wir uns auf den Weiterweg machen.
Nach Überschreiten eines Hügels erreichen wir
Wilfersdorf. Der Zwiebelturm der Kirche - eigenartig geformt - ist
schon von weit her zu sehen, obwohl sich das gesamte Gebäude noch
unseren Blicken verbirgt. Im Musikvereinshaus werden wir von einer
Delegation empfangen und begrüßt und bewirtet. Wir bewegen uns zum
Gipfel des „Hl. Bergs“, auf dem sich eine Kreuzigungsgruppe befindet.
Schöne Figuren schmücken die einzelnen Stationen dieses Kalvarienbergs,
wir sind zum Meditieren eingeladen. Im Ort sammeln wir uns vor der
wunderschön renovierten Kapelle „Maria vom Siege“, die in einem
Festakt - zuerst die Kapelle, dann die Statue geweiht werden. Kirchenchor
und eine Gruppe von Kindern untermalen die Zeremonie.
Dechant Ernst Steindl
mit den Kindern beim Eröffnungspiel
Viele nutzen noch die Möglichkeit zu einem „Abstecher“
in die neu renovierte St. Nikolaus Kirche Wilfersdorfs. Die alte
gotische Kirche aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts ist nur
mehr in Fragmenten wahrzunehmen. Jedoch - die in den 1740-iger
Jahren vorgenommene barocke Erweiterung und insbesondere die einzigartige,
prachtvolle Stuckatur - bestechen. Alle waren wir uns einig, ein
weiteres barockes Schatzkästlein unserer Heimat kennen gelernt zu
haben. Unsere Führer weisen auch auf die historische Bedeutung von
Wilfersdorf als „Wiege des Hauses Liechtenstein“ hin, weil alle
Mitglieder der fürstlichen Familie auf die 4 in der Liechtensteingruft
ruhenden Stammväter zurückzuführen seien.
Auf Reichtum und Schaffensfreude dieser Familie
weist das prachtvolle Schloss Liechtenstein, in das wir zum Abendessen
geladen sind, eindrucksvoll hin.
Als kleine Überraschung gibt es dann unter den
Bäumen noch ein „Abendkino“ mit den Bildern der letzten Tage.
Mehr Bilder vom 6. Tag gibt es online unter:
http://www.pilgerweg.cc/pilgerweg/articles/2005/08/16/a2638/
7. Tag: Montag, 15. August 2005
Vorsorglich wurde schon am Vortag, wegen des
sich ankündigenden Wettersturzes, der Tagesverlauf umgeplant. Tatsächlich
begann es schon ab dem Vormittag heftig zu regnen. Trotzdem ließen
sich an die 150 Pilger nicht abhalten. Kurz nach 8:00 Uhr begann
die Laudes in der Pfarrkirche Altruppersdorf. Ein prächtiges Altarbild
des Hl. Sebastian ist das Prunkstück der prachtvoll renovierten
Kirche. Musikalische Darbietungen und Tänze der Kinder bringen alle
in eine gute Stimmung.
In ca. 5/4 Stunden ziehen wir durch Föllim nach
Kleinhadersdorf. Die dem Hl. Rochus geweihte Pfarrkirche kann sich
nicht ganz in dem Zustand präsentieren, wie sich´s alle vorgenommen
hatten, der Turm ist noch eingerüstet. Der Zwischenstand lässt aber
das Beste erwarten. Trotz Regens ist die Labestation für uns vorbereitet.
Etwa 60 Teilnehmer verschiedener Sternwallfahrten und die Ministranten
vom Vortag stoßen auch heute dazu.
Kurz nach 11:00 Uhr gelangen wir zum bedeutenden
Wallfahrtsort Maria Bründl. Beim schon lange als Marienwallfahrtsort
beliebten Bild wurde 1655 die Ursprungskapelle errichtet. Aus dieser
Zeit stammt auch das Gnadenbild am Hochalter, das die Gottesmutter
mit Jesus und Johannes dem Täufer zeigt. Die heutige Wallfahrtskirche
wurde vom Barockbaumeister, Donato Felice d`Àllio, 1740 errichtet
und 1751 geweiht.
Bischofsvikar Matthias Roch in
Maria Bründl
Um die Mittagszeit gelangen wir zur Pfarrkirche
von Poysdorf, die uns bereits am Freitag Heimstatt zur langen Nacht
der Bibel gegeben hatte. Die prächtige frühbarocke Kirche – dem
Hl. Johannes „dem Täufer“ gewidmet - wurde 1640 geweiht und ersetzte
eine Taufkirche, die noch einige hundert Jahre älter gewesen sein
dürfte. Wie viele Ortschaften wurde auch Poysdorf im 30-jährigen
Krieg von den Schweden als Quartier benutzt. Der Name „Reitschule“
erinnert noch an den Frevel der Schweden, die die Kirche als Festung
und Pferdestall benutzt haben. Das Altarbild zeigt die Taufe Jesu
im Jordan und wird der Schule des Kremser Schmid zugeschrieben.
Eine Fülle anderer, kunsthistorisch bedeutsamer Bilder befinden
sich an den Seitenaltären. Auch die Türkenkriege hatten ihren Einfluss
auf die architektonische Ausgestaltung des Pfarrhauses, insbesondere
die alte Wehrmauer um den Friedhof.
Den Abschlussgottesdienst feiern gemeinsam mit
dem Herrn Bischofsvikar eine ganze Reihe von Dechanten und Priestern.
Auch der Pfarrer von Mikulov - Propst von Mikulov Stanislav Kratky
- nimmt zur großen Freude vieler teil. Die Kirche ist überfüllt,
etwa 700 Gläubige feiern mit. Wie schon in Maria Bründl liefern
auch hier die Kinder schöne Beiträge zur Gestaltung des Gottesdienstes.
Die volle Pfarrkirche Poysdorf.
Für die Kinder wurden Luftballons vorbereitet,
die sie gemeinsam mit dem Bischofsvikar steigen lassen. Die Ballons
tragen die kleinen Minibibeln in alle Windrichtungen.
Nach einem üppigen Mittagessen wird nochmals
das schöne Lied von „der wahren Freundschaft“ gemeinsam gesungen.
Es unterstreicht das, was alle bewegt: viele Begegnungen erfahren
zu haben und beschenkt und bereichert heimzukehren.
Mehr Bilder vom 7. Tag gibt es online unter:
http://www.pilgerweg.cc/pilgerweg/articles/2005/08/15/a2637/
Christine und Friedrich Macher
Ladendorf, 25.8.2005
(Bearbeitet, ergänzt und onlineVersion von Franz
Knittelfelder, Bildungshaus Schloss Großrußbach – www.bildungshaus.cc)
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