Ernstbrunn - der "Gipfel des Vikariates"
© stephanscom.stDas Dekanat Ernstbrunn liegt mitten im Weinviertel und somit auch mitten im Vikariat Unter dem Manhartsberg. Dechant Walter Pischtiak, Pfarrer von Ladendorf: "Wenn ich alle Pfarren des Dekanates besuche, fahre ich mehr als 70 Kilometer."

Eine Autostunde von Wien entfernt liegt im Norden der Erzdiözese Wien das Zentrum des Weinviertels: das Dekanat Ernstbrunn. Das Dekanat mit der höchstgelegene Pfarrkirche im Vikariat Unter dem Manhartsberg: Die Pfarrkirche Oberleis liegt auf 500 Meter Seehöhe. "Wir sind sozusagen der Gipfel des Vikariates", betont Dechant Pischtiak. Das Dekanat Ernstbrunn faßt 17 Pfarren zusammen, die insgesamt etwa 9.500 Katholiken beheimaten. "Eigentlich sind es ja viel mehr, aber wir können die Wochenendfamilien leider nicht dazuzählen", erklärt Dechant Pischtiak, Pfarrer von Ladendorf. Die Seelsorge sei gut aufgeteilt, berichtet Walter Pischtiak, der als Dechant für die insgesamt neun Priester im Dekanat verantwortlich ist. Die sechs Pfarrer und drei Kapläne, von denen zwei sogenannte Aushilfskapläne sind, muss er für die pastorale Arbeit in 17 Pfarren einteilen. "Das allein wäre noch nicht die Herausforderung", so Walter Pischtiak, "aber mit so wenig Personal die insgesamt 40 Gottessdienststätten zu besetzen, ist keine leichte Aufgabe." Dass es nicht mehr möglich sei, an allen Orten jeden Tag Eucharistie zu feiern, daran hat sich der Dechant bereits gewöhnt, denn "wir haben ja auch Wort-Gottes-Feiern, die gefeiert werden, wenn ein Priester ausfällt."

Von Sorgen und Freuden im Dekanat

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Walter Pischtiak: "Wir haben ein Licht angezündet, dieses muss weitergefüttert werden."

Trotz der wenigen Priester gibt das Dekanat Ernstbrunn ein deutliches und kräftiges liturgisches Lebenszeichen. "Wir feiern jeden ersten Freitag im Monat eine Dekanatsmännermesse", erzählt Dechant Walter Pischtiak. "Die Dekanatsgottesdienste sind ein wichtiges Merkmal unseres Dekanates, da sie den Zusammenhalt und die Gemeinschaft fördern. Wir haben sozusagen ein 'Licht angezündet, dieses muss weitergefüttert werden'."

Die größte Herausforderung des Dekanates Ernstbrunn liegt in der Arbeitsplatzsituation der Region. "Es gibt wenige Arbeitsplätze im Bezirk und die meisten Weinviertler müssen pendeln. Daher ist die Jugend nicht wirklich greifbar. Und auch die Erwachsenen sind unter der Woche einfach müde. Also müssen wir neue Wege in der Pastoral suchen", erklärt Walter Pischtiak. "Zumindest konnte die Abwanderung durch die neue Schnellbahnstation ein wenig eingedämmt werden", zeigt sich der Dechant trotz der Probleme zuversichtlich.

Sorgen macht dem Dechant die Pfarre Merkersdorf. "Etwa 100 Einwohner müssen eine Domkirche erhalten. Das ist fast unmöglich. Die Pfarrkirche von Merkersdorf, der Dom, ist ein Baujuwel, vor allem in der Ausstattung. Die Erhaltung ist einfach unheimlich teuer", so umschreibt Walter Pischtiak die Situation.

Ein weiteres Anliegen ist dem Dechant auch die Pflege der Partnerschaft mit der ungarischen Pfarre Ják. "Der Mitteleuropäische Katholikentag bietet hier eine großartige Chance, die in den letzten 14 Jahren entstandenen Familienfreundschaften wieder aufzufrischen und zu pflegen", ist Pischtiak überzeugt. (Über die Pfarr-Partnerschaft berichtete Stephanscom.at bereits.)

Gemeinsame Ressourcen nutzen und Arbeit teilen

Zu den Hauptaufgaben eines Dechants zählt Walter Pischtiak die Förderung der gemeinsamen Dekanatsveranstaltungen. "Durch die gemeinsamen Aktionen im Dekanat kennt man einander und das trägt wiederum zur Heimat in der Kirche bei uns bei", so der 65-jährige Dechant. So wurden gemeinsame Seiten mit Informationen aus dem Dekanat für die Pfarrblätter entwickelt, der jeder Pfarre des Dekanates für die eigene Pfarrzeitung zur Verfügung gestellt wird.

Dechant Walter Pischtiak legt viel Wert auf regelmäßige Treffen mit den Pfarrern seines Dekanates. "Zusammenkünfte um Sorgen und Probleme zu besprechen sind wichtig", so Pischtiak. Der Weg ist allerdings oft weit: Will der Dechant alle seine Pfarrer im Dekanat besuchen, so muss er mehr als 70 Kilometer zurücklegen.

Experimente und Erfolge in der Pfarrarbeit

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Dechant Walter Pischtiak und sein Stellverteter Siegbert Neubauer beim Studium der gemeinsamen Pfarrblätter.

Der Dechant des Dekanates Ernstbrunn, Walter Pischtiak, hat bereits ein paar Früchte gemeinsamer Pastoral eingefahren: So sind die Pfarrer des Dekanates erfreut über das Jugendzentrum Oberleis. Oberleis ist eben nicht nur die höchstgelegene Pfarrkirche des Weinviertels, sondern auch ein Zentrum für Jugendbewegungen, für Einkehrtage und -wochen. "Ein kleiner Wermutstropfen ist, dass das Zentrum nicht als Dekanatsjugendzentrum genutzt wird, sondern der Augenmerk auf das gesamte Vikariat gelegt wird. Daher sind die Impulse für das Dekanat etwas geringer", zeigt sich Dechant Pischtiak verständnisvoll.

Jugendoffensive und Dekanatsstammtisch

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Dechant Walter Pischtiak mit zwei Pfarrern aus dem Dekant Ernstbrunn.

"In der Pfarre Ernstbrunn hat Kaplan Erich Neidhart ein Experiment gestartet, das sehr mutig war und mich freut es, dass es Erfolg hat", berichtet Walter Pischtiak von neuen Initiativen. "Er hatte den Mut am Samstag Abend um 20.00 Uhr einen Jugendgottesdienst zu initiieren. Diese Aktion nimmt auf das neue Ausgehverhalten der Jugendlichen Rücksicht. Denn die jungen Leute gehen erst um 22 Uhr in die Disco. Hier kann man mutig handeln und vorher Gottesdienst feiern. Und ich war dabei und muss sagen, es gelingt."

Froh ist Dechant Walter Pischtiak auch über die gute Zusammenarbeit des Dekanates Ernstbrunn mit dem Vikariat Unter dem Manhartsberg. "Wir haben das Bildungshaus Großrußbach im Dekanat. Da der Baustopp aufgehoben wurde kann es nun endlich weitergehen im Ausbau. Das Bildungshaus ist sehr wichtig für uns", so der Dechant. "Und dass der Bischofsvikar im Dekanat wohnt, ist ein Segen, denn Bischofsvikar Matthias Roch springt immer wieder ein, wenn ein Priester ausfällt", so Pischtiak weiter.
Auf den Dekanatsstammtisch, zu dem sich die Mitarbeiter einfinden, oder die vielen Theatergruppen, ist Dechant Pischtiak ebenso stolz wie auf die teilweise sehr gut funktionierende Pfarrzusammenarbeit im Dekanat. "Unendlich wichtig sind auch die ehrenamtlichen Mitarbeiten der Pfarrmitglieder, sei es beim Vorbereiten eines Festes oder wenn es drum geht eine Kirche oder einen Pfarrhof zu renovieren", fasst Walter Pischtiak abschließend zusammen.

Das Dekanat Ernstbrunn - Statistik

Pfarren: 17
Pfarrer: 6
Kapläne: 1 und 2 Aushilfskapläne
Diakone: 1
Pastoralassistenten: 1
Pfarrverbände: 1
Katholiken: etwa 9.500

Die Pfarren des Dekanates Ernstbrunn

(stephanscom)



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